Das 18. Jahrhundert war eine Zeit, in der die europäischen Metropolen erblühten und sich in politischer, gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht grundlegend wandelten. Mit feinem Blick für Architektur und städtisches Leben hielten die Maler Giovanni Antonio Canal, besser bekannt als Canaletto (1697–1768), und sein Neffe Bernardo Bellotto (1721–1780) diese Veränderungen in ihren detailreichen Veduten fest. Ihre Werke sind nicht nur Meisterstücke der Malerei, sondern auch eindrucksvolle historische Dokumente. Das Kunsthistorische Museum Wien widmet den beiden Ausnahmekünstlern ab 24. März 2026 eine große Ausstellung, die sie erstmals im deutschsprachigen Raum in einen direkten Dialog stellt.
Im Zentrum der Schau stehen Stadtansichten von Venedig, London und Wien – drei Orte, die für die künstlerische Laufbahn Canalettos und Bellottos von zentraler Bedeutung waren. Während Canaletto in Venedig mit seinen lichtdurchfluteten, präzise komponierten Blicken auf Kanäle, Plätze und Paläste zu Ruhm gelangte und später in London für den Adel und die Königshäuser arbeitete, entwickelte Bellotto einen eigenständigen, oftmals strengeren Stil. Seine monumentalen Ansichten von Wien, Dresden und Warschau sind geprägt von kühler Klarheit und beinahe topografischer Genauigkeit.
Die Ausstellung macht sichtbar, wie eng Verwandtschaft und künstlerische Inspiration miteinander verwoben waren, und zugleich, wie unterschiedlich die Bildsprachen der beiden Maler ausfielen. Canaletto begeistert mit atmosphärischer Leichtigkeit und meisterhafter Lichtführung, Bellotto beeindruckt durch seine Detailtreue und dramatische Raumperspektive. Gemeinsam eröffnen ihre Werke ein Panorama urbaner Identität im 18. Jahrhundert – zwischen barocker Repräsentation, aufstrebendem Bürgertum und der wachsenden Faszination für Reisen und Fremde.
Neben weltbekannten Meisterwerken werden auch weniger vertraute Arbeiten präsentiert, die den Schaffensprozess der beiden Künstler beleuchten. Ergänzend geben Skizzen, Kupferstiche und zeitgenössische Stadtpläne Einblick in die Werkstattpraxis sowie in die Wechselwirkungen zwischen Kunst und urbaner Wirklichkeit. So zeigt die Ausstellung, wie Canaletto und Bellotto nicht nur das Bild ihrer Städte formten, sondern auch nachhaltig beeinflussten, wie wir uns Venedig, London und Wien bis heute vorstellen.
Mit dieser Präsentation setzt das Kunsthistorische Museum einen Höhepunkt im Frühjahr 2026. Sie lädt dazu ein, die Werke zweier der bedeutendsten Vedutenmaler Europas neu zu entdecken – als künstlerische Meisterleistungen und als Fenster in die urbane Kultur des 18. Jahrhunderts.
24. März bis 6. September 2026
www.khm.at






