Jordan Wolfson ist ein renommierter amerikanischer Künstler, bekannt durch seine rätselhaften Virtual-Reality-Illusionen, die Museumsbesucher in eine computeranimierte Welt versetzen. Während sie im Ausstellungsraum aufgefordert werden, sich an einem Griff festzuhalten, ragen in der virtuellen Welt New Yorks Hochhäuser neben ihnen in die Höhe, fahren Autos und gelbe Taxis auf einer der großen Avenues an ihnen vorbei. Straßenlärm dröhnt, Alltag in der Großstadt.

Es ist ein 3D-Video und allein wegen seiner überwirklichen Realitätsnähe faszinierend. Doch dann ereignet sich in unmittelbarer Nähe ein ungeheuerliches Geschehen: Ein Mann wird von einem anderen mit einem Baseballschläger zu Tode geprügelt. Die Betrachter werden zu Zeugen, sie sehen das Opfer zucken und am Ende verbluten. Durch das eigene Schauen machen sie sich schuldig. Virtual Reality, VR, wird zu RV, Real Violence. Wolfson untersucht die Schattenseiten der Populärkultur. Er nutzt dabei teils schwarzen oder spielerischen Humor und fiktive Realitäten, um die Grundparameter der menschlichen Existenz in der zeitgenössischen Gesellschaft zu offenbaren. Auf schonungslose Art und Weise setzt er sich in seinen Werken mit schwierigen Themen wie Sexismus, Gewalt, Rassismus und Antisemitismus auseinander und erzeugt dabei unergründliche Spannungen, für die seine Arbeit bekannt ist.
Wolfson entwickelt Roboterfigurinen, die faszinierend lebensecht gearbeitet sind, die Fiktion jedoch immer mit einem Schreckmoment entlarven und die Erwartungen des Publikums erschüttern. Eine solche Roboter-Puppe tanzt vor einem Spiegel, in das Outfit eines Go-go-Girls gekleidet: Lackstiefel, armlange Handschuhe, ein knappes Kleid und eine blonde Perücke. Das Gesicht unter einer grünen Hexenmaske verborgen, fixiert die Figur die Zuschauenden mit drohendem Blick. Die Puppe ist beschmutzt, die Szene irritierend schäbig. Kugelgelenke an den Armen verraten ihre Künstlichkeit. Die Tänzerin schwingt die Hüften vor dem Spiegel, mit dem sie durch eine Stange verbunden ist, und mutiert dabei vom demütigen Objekt zum angsteinflößenden Monster. Wolfsons mechanisch gesteuerte Skulpturen erinnern an alte Horrorvorstellungen von lebendig gewordenen Marionetten aus Vergnügungsparks.
16. Juli bis 9. Oktober 2022

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