Das Kunsthistorische Museum widmet seine Herbstausstellung 2025 einer der wohl bedeutendsten Künstlerinnen des 17. Jahrhunderts: Michaelina Wautier. Die Ausstellung bietet den Besucherinnen und Besuchern die einmalige Gelegenheit, nahezu das gesamte Oeuvre der Künstlerin auf Augenhöhe mit Zeitgenossen wie Peter Paul Rubens oder Anthonis van Dyck zu entdecken.
Mit der Ausstellung „Michaelina Wautier, Malerin“ zeigt das Kunsthistorische Museum eine Künstlerin, deren Name noch vor wenigen Jahrzehnten selbst in kunsthistorischen Fachkreisen weitgehend unbekannt war – und die heute mit gutem Grund als eine der bedeutendsten Malerinnen des 17. Jahrhunderts gilt. Es ist die erste umfassende Schau in Österreich, die das Werk dieser Ausnahmekünstlerin in ganzer Breite würdigt. Ihre Arbeiten werden dabei in einen direkten Dialog mit prominenten Zeitgenossen wie Rubens oder van Dyck gesetzt – ein Vergleich, den sie souverän besteht.
Michaelina Wautier (1614–1689) trotzt in vielerlei Hinsicht den Konventionen ihrer Zeit. Als Frau wagte sie sich nicht nur in die als männlich geltende Disziplin der Historienmalerei vor, sondern brillierte in allen Gattungen: von Porträt über Stillleben bis zu religiösen und mythologischen Szenen. Ihre Werke überraschen durch technische Brillanz, psychologische Tiefe – und gelegentlich durch eine freche Ironie. Besonders auffällig: der monumentale „Triumph des Bacchus“, ein Bild voller trinkfreudiger Männer, mit einem raffiniert versteckten Selbstporträt der Malerin selbst – mit entblößter Brust, ironisch aufgeladen, selbstbewusst und kompromisslos.

Michaelina Wautier, Hl. Josef, kurz nach 1650, Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband
Die Biografie dieser Künstlerin bleibt fragmentarisch – was nur zum Mythos beiträgt. Vermutlich aus gutbürgerlichem Hause, scheint sie keine formale künstlerische Ausbildung genossen zu haben. Und doch spricht ihr Œuvre für einen professionellen, souveränen Umgang mit Farbe, Licht und Komposition. Ihre Gemälde verraten Einflüsse aus Italien, vielleicht auch von ihrem Bruder Charles Wautier, mit dem sie bis zu ihrem Tod 1689 in Brüssel lebte. Merkwürdig bleibt: Das früheste bekannte Werk datiert auf das Jahr 1643, da war sie bereits fast 30 – und ihr letzter bekannter Auftrag stammt von 1659. Was hat sie in den folgenden drei Jahrzehnten getan?
Diese Ausstellung stellt nicht nur Wautiers Werk ins Zentrum, sondern auch den Umstand, dass es oft Jahrzehnte – ja, Jahrhunderte – braucht, bis Frauen in der Kunstgeschichte ihren Platz zurückerhalten. In einem aufwendig kuratierten Parcours zeigt das Kunsthistorische Museum knapp 30 Werke aus Museen und Privatsammlungen Europas und Nordamerikas. Selten war es möglich, so viele Arbeiten Wautiers auf einmal zu sehen. Die Besucherinnen und Besucher können dabei einer Künstlerin begegnen, die sich nicht nur durch technische Meisterschaft, sondern auch durch künstlerische Eigenständigkeit und intellektuellen Witz auszeichnet.
Michaelina Wautier ist keine Randnotiz der Kunstgeschichte – sie ist deren blinder Fleck. Umso wichtiger ist diese Ausstellung, die nicht nur ein beeindruckendes Werk offenlegt, sondern auch viele Fragen stellt: über das Verhältnis von Geschlecht und Kunst, von Erinnerung und Vergessen, von Ruhm und Zufall.
30. September 2025 bis 22. Februar 2026
www.khm.at







