Mit einer kraftvollen Hommage an eine der großen Erneuerinnen der modernen Malerei widmet das Kunstmuseum Basel im Frühjahr 2026 der US-amerikanischen Künstlerin Helen Frankenthaler (1928–2011) die bislang umfassendste Retrospektive in Europa – und die erste Einzelausstellung in der Schweiz. Über fünfzig Werke zeigen die erstaunliche Spannweite einer Künstlerin, die die Malerei des 20. Jahrhunderts auf den Kopf stellte und die Grenzen zwischen Leinwand, Farbe und Raum neu definierte.
Bereits Anfang der 1950er-Jahre, im Alter von nur 23 Jahren, revolutionierte Frankenthaler die abstrakte Kunst mit ihrer „Soak-Stain“-Technik: Verdünnte Farbe versickerte direkt im ungrundierten Gewebe der Leinwand, wodurch Farbe und Träger untrennbar verschmolzen. Das Ergebnis waren schwebende Kompositionen von leuchtender Transparenz – vibrierende Felder aus Licht und Bewegung, in denen sich Zufall und Kontrolle zu einer neuen Form des Ausdrucks verbanden.
In einer Zeit, in der die Malerei von männlichen Protagonisten wie Jackson Pollock und Barnett Newman dominiert wurde, behauptete sich Frankenthaler mit unverkennbarer Eigenständigkeit. Sie griff Pollocks Gestus der auf dem Boden bearbeiteten Leinwand auf, führte ihn aber in eine lyrischere, offenere Dimension. Ihre Werke strahlen eine innere Ruhe aus, die dennoch voller Energie ist – abstrakte Landschaften des Gefühls, durchdrungen von Intuition und Intelligenz.

Helen Frankenthaler, Moveable Blue, 1973, Courtesy of Berggruen Gallery, San Francisco, Acryl auf Leinwand © 2025 Helen Frankenthaler Foundation, Inc. / ProLitteris, Zurich, Creditline: ASOM Collection, Vaduz
Die Ausstellung in Basel umfasst rund 40 Gemälde und 15 Arbeiten auf Papier und eröffnet zugleich einen neuen Blick auf Frankenthalers Verhältnis zur Kunstgeschichte. Ihr Schaffen wurzelt tief in der europäischen Tradition: Schon als Studentin studierte sie die Farbmodulationen Cézannes, die Flächen des Kubismus von Picasso, die Abstraktionen Kandinskys und die Musikalität Matisses. Auf Reisen durch Europa vertiefte sie diese Bezüge – in den venezianischen Farbwelten Tizians, in den malerischen Rhythmen Rubens’ und in den atmosphärischen Schwingungen Monets fand sie verwandte Geister.
Frankenthalers Werk entfaltet sich als dialogische Bewegung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Struktur und Zufall, Körper und Farbe. Ihre Malerei ist zugleich experimentell und zutiefst poetisch – sie denkt über das Sehen selbst nach. Die Ausstellung zeigt sie nicht nur als Pionierin der Farbfeldmalerei, sondern auch als Künstlerin, die das Medium immer wieder neu erfand: von großformatigen Leinwänden über zarte Papierarbeiten bis hin zu Keramik, Skulptur und Druckgrafik.
In einer Welt, die nach neuen Formen der Sensibilität sucht, wirkt Frankenthalers Kunst aktueller denn je. Ihre Bilder sprechen von Freiheit – der Freiheit, das Unvorhersehbare zuzulassen, der Freiheit, Farbe als Denken, Emotion und Welt zugleich zu begreifen.
18. April bis 23. August 2026
www.kunstmuseumbasel.ch

Claude Monet, La passerelle sur le bassin aux nymphéas, 1919, Öl auf Leinwand, Kunstmuseum Basel, Foto: Martin P. Bühler















