Anlässlich seines 85. Geburtstags widmet die Landesgalerie Burgenland Harro Pirch eine große Retrospektive. Rund sechs Jahrzehnte seines künstlerischen Schaffens werden dabei sichtbar – von charakteristischen Landschaftsbildern bis zu bislang weniger gezeigten Stadt-, Dach-, See- und Schiffslandschaften. Zugleich erinnert die Ausstellung an einen Künstler, der das burgenländische Kulturleben weit über sein eigenes Werk hinaus geprägt hat.

Harro Pirch gehört zu jenen Künstlerpersönlichkeiten, deren Wirkung sich nicht allein an den eigenen Bildern bemessen lässt. Als Verfechter einer abstrakten, informellen und spekulativen Kunst hat er die burgenländische Kunstszene über Jahrzehnte mitgestaltet. Vor allem aber schuf er Räume für Begegnung und Austausch: Mit den 1971 gegründeten „Rabnitztaler Malerwochen“ machte Pirch das Mittelburgenland zu einem internationalen Treffpunkt für Künstlerinnen und Künstler.
Im Zentrum seines eigenen malerischen Schaffens steht die Landschaft. Dabei ist Pirch weit entfernt von einer idyllischen Naturbetrachtung. Seine Landschaften sind streng, konzentriert und dominant. Sie zeigen nicht einfach einen schönen Ausschnitt der Wirklichkeit, sondern das Gesehene durch den persönlichen Blick des Malers. Pirch bleibt gegenständlich, auch wenn seine Bilder bisweilen eine beinahe abstrakte Wirkung entfalten. Formen werden verdichtet, Räume reduziert, Details zurückgenommen – und gerade dadurch gewinnt die Landschaft an Präsenz.

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil überreichte Harro Pirch symbolisch die Urkunde zur Retrospektive in der Landesgalerie Burgenland. © Landesmedienservice Burgenland

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil überreichte Harro Pirch symbolisch die Urkunde zur Retrospektive in der Landesgalerie Burgenland. © Landesmedienservice Burgenland

Der Mensch bleibt dabei weitgehend ausgespart. Keine Figuren beleben die Szenerie, keine Fahrzeuge verweisen auf Bewegung, kein literarisches Motiv lenkt den Blick. Was bleibt, ist der Augenblick selbst: Landschaft als stiller, beinahe zeitloser Zustand. In diesem Sinne lässt sich Pirchs Malerei auch mit Goethes „Faust“ lesen: „Werd’ ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön!“ Der Maler hält den Augenblick fest, ohne ihn zu kommentieren oder mit einer Botschaft aufzuladen.
Die Retrospektive in der Landesgalerie Burgenland eröffnet zugleich einen Blick auf die weniger bekannten Facetten dieses umfangreichen Œuvres. Neben den vertrauten Landschaften treten Motive aus urbanen Räumen, von Dächern, Seen und Schiffen hervor und erweitern das Bild eines Künstlers, der über Jahrzehnte seinen eigenen Zugang zur Wirklichkeit entwickelt hat.
Mit den „Rabnitztaler Malerwochen“ hat Pirch zudem eine Institution geschaffen, die bis heute fortwirkt. Seit mehr als fünf Jahrzehnten kommen in Unterrabnitz Kunstschaffende aus Österreich und zahlreichen europäischen Ländern zusammen, arbeiten gemeinsam und tauschen sich aus. Damit hat Pirch nicht nur gemalt, sondern eine lebendige Plattform für zeitgenössische Kunst geschaffen.
Die Ausstellung zum 85. Geburtstag würdigt somit ein Lebenswerk, das Malerei und Kulturvermittlung miteinander verbindet – und einen Künstler, dessen Blick auf die Landschaft ebenso nachhaltig ist wie sein Engagement für die Kunst im Burgenland.
29. September bis 15. November 2026
https://landesgalerie-burgenland.at