Das Lentos bietet in diesem Jahr ein breites Spektrum an Ausstellungen, von der Analyse radikaler Nationalismen über die Beschäftigung mit den Themen Kindheit und Feministische Avantgarde bis hin zu Einzelausstellungen der Künstlerinnen Emmy Haesele und Ida Maly.

Transformation und Wiederkehr. Radikale Nationalismen im Spiegel der zeitgenössischen Kunst
Parallel zur Kontinuität rechtsextremer politischer Ideen existiert ein Nachleben der wiederholten Repräsentation des Faschismus in der Kunst, sowie eine Aneignung seiner ästhetischen Versatzstücke in Populär- und (transgressiver) Subkultur. Die internationale Gruppenausstellung versammelt künstlerische Positionen einer Auseinandersetzung mit diesen Phänomenen. Sie reichen von Aneignung und „mimetischer Subversion“ bis hin zur analytischen Betrachtung, Re-inszenierung und Dekonstruktion faschistoider Mechanismen.
24. März bis 6. Juni 2021

Wilde Kindheit
„Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe“, erklärt Pippi Langstrumpf. Eine solche Selbstgewissheit würden wir uns für unsere Kinder wünschen, doch haben sie aktuell die Chance, sich ungebremst auszuleben? Die heutige Überbehütung durch Helikopter- und Rasenmähereltern und die fortschreitende Digitalisierung, die den Bewegungs- und Entdeckungsdrang der Kinder einschränkt, lassen daran zweifeln. Kinder überstehen zwar die absurdesten Erziehungskonzepte, ebenso wie Krieg, soziales Elend, Vernachlässigung oder Missbrauch, doch um welchen Preis?
Die Ausstellung zeigt mit 170 KünstlerInnen Positionen von 1900 bis heute, die kritisch, realistisch differenziert, aber auch mit viel Ironie und Humor kindliches Glück ebenso wie Frustration dokumentieren. Sie machen uns bewusst, dass es an uns liegt, unseren Kindern eine Kindheit zu ermöglichen, die es wert ist, sich an sie zu erinnern.
12. Mai bis 5. September 2021

Die gezeichnete Welt der Emmy Haesele
Emmy Haesele (1894–1987) wächst in großbürgerlichen Verhältnissen in Wien auf. Nach dem Ersten Weltkrieg zieht sie mit ihrem Ehemann, dem Arzt Hans Haesele, in die kleine Landgemeinde Unken bei Lofer. An Philosophie und Theosophie umfassend interessiert, beginnt sie ab 1931 zu zeichnen. Oskar A. H. Schmitz, Schriftsteller und Schwager Alfred Kubins, fädelt bald darauf ein Treffen der dem Übersinnlichen zugeneigten Frau mit dem renommierten Zeichner Kubin ein. Bis 1936 intensiviert sich die Beziehung zwischen dem alternden Magier von Zwickledt und der jungen, selbstbewussten Emmy.
Angeregt von ihren inneren Bildern erschafft sie expressive, märchenhafte, bisweilen auch verstörend zugespitzte Sinnbilder. Thematisch ziehen ihre Zeichnungen nach und nach immer größere Kreise: von ihrem eigenen Liebesleid und dem Tod naher Angehöriger über religiöse Motive bis hin zu profanen Themen und globalen Zusammenhängen des Umweltschutzes und des Kalten Krieges. Die Ausstellung im Lentos zeigt eine umfassende Retrospektive ihres Schaffens. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.
25. Juni bis 29. August 2021

Feministische Avantgarde aus der Sammlung Verbund
Das Lentos zeigt mit über 250 Kunstwerken aus der Wiener Sammlung Verbund, wie 81 Künstlerinnen die Konstruktion des Weiblichen in den 1970er-Jahren hinterfragten. Die Ausstellung hebt die Pionierleistung der „Feministischen Avantgarde“ hervor. Den Begriff prägte Gründungsdirektorin Gabriele Schor, um den Kunstkanon zu erweitern. Erstmals in der Geschichte der Kunst zeigten viele Künstlerinnen in Europa und den USA die Unterdrückung der Frau. Dabei setzten sie den eigenen Körper als soziales Zeichen ein. Sie prangerten die Einschränkung auf die Rolle der Mutter, Haus- und Ehefrau an; visualisierten das Eingesperrt-Sein, die weibliche Sexualität, das Diktat der Schönheit und fächerten eine Vielzahl von weiblichen Identitäten auf. Erstaunlich ist, dass formal ähnliche Strategien entstanden, obwohl die Künstlerinnen einander nicht kannten.
24. September 2021 bis 9. Januar 2022

www.lentos.at