Seit seiner Gründung ist das Leopold Museum Wien ein unverzichtbarer Ort für die Präsentation österreichischer Kunst des 20. Jahrhunderts. Mit seiner Sammlung von Werken der Klassischen Moderne, des Wiener Expressionismus und der zeitgenössischen Kunst verbindet es kunsthistorische Tradition mit einem lebendigen Dialog der Gegenwart. In diesem Kontext eröffnet das Museum 2026 die Ausstellung „Premiere!“, die die Sammlung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) erstmals umfassend präsentiert und damit einen besonderen Blick auf die Vielfalt österreichischer Kunstgeschichte eröffnet.

Die OeNB leistete bereits 1994 einen entscheidenden Beitrag zur Gründung der Leopold Museum-Privatstiftung. Seit den späten 1980er-Jahren sammelt sie österreichische Malerei und Skulptur von 1918 bis heute. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Kunst der Zwischenkriegszeit – von der Neuen Sachlichkeit bis zum Post-Expressionismus – sowie auf der geometrischen und gestischen Abstraktion nach 1945. Mit der Ausstellung würdigt das Leopold Museum diese langjährige Verbindung und zeigt die künstlerische Bandbreite der Bankkollektion in all ihrer Vielfalt. Die Schau führt durch zentrale Tendenzen österreichischer Kunst: So begegnen Besucherinnen bekannten neusachlichen Positionen wie Rudolf Wacker und Franz Sedlacek, ebenso wie eigenständigen Künstlerinnen der Zwischenkriegszeit, darunter Greta Freist und Max Oppenheimer. In der zeitgenössischen Kunst nach 1945 treten spannende Parallelen zwischen Künstlergenerationen zutage, etwa zwischen Maria Lassnig und Tobias Pils oder Svenja Deininger und Ernst Caramelle. Die Ausstellung macht außerdem die unterschiedlichen Zugänge zur Abstraktion sichtbar, von der subtilen Farb- und Formensprache Martha Jungwirths bis zu den kraftvollen Kompositionen Herbert Brandls.

Reta Freist, La danseuse [Die Tänzerin], 1938 © Oesterreichische Nationalbank/Kunstsammlung, Foto: Graphisches Atelier Neumann

Reta Freist, La danseuse [Die Tänzerin], 1938 © Oesterreichische Nationalbank/Kunstsammlung, Foto: Graphisches Atelier Neumann

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der skulpturalen Dimension der Sammlung. Werke von Josef Pillhofer, Julia Haugeneder oder Constantin Luser verdeutlichen die expressive und formale Vielfalt der österreichischen Bildhauerei des 20. und 21. Jahrhunderts. Ergänzt wird die Präsentation durch Arbeiten, die die Verbindung von Tradition und Innovation sichtbar machen, und eröffnet so einen faszinierenden Dialog zwischen historischen Positionen und zeitgenössischen Ausdrucksformen.
Mit „Premiere!“ setzt das Leopold Museum sein Programm fort, bedeutende Privat- und Unternehmenssammlungen zu zeigen und die Rolle von Sammlungen für die österreichische Kunst- und Kulturlandschaft herauszustellen. Die Ausstellung zeigt, wie institutionelle Sammlungen nicht nur historische Einblicke bieten, sondern auch aktuelle Perspektiven auf das kreative Schaffen der Gegenwart eröffnen. Besucher*innen erhalten die Gelegenheit, die Sammlungsvielfalt der OeNB zu entdecken – von der Kunst der Zwischenkriegszeit über die Abstraktion der Nachkriegszeit bis hin zu zeitgenössischen Positionen – und die Entwicklungen der österreichischen Kunstgeschichte in einem neuen Licht zu erleben.
24. April bis 4. Oktober 2026
www.leopoldmuseum.org

Tobias Pils, Between us space (2), 2021 © Oesterreichische Nationalbank/Kunstsammlung, Foto: Jorit Aust © Tobias Pils

Tobias Pils, Between us space (2), 2021 © Oesterreichische Nationalbank/Kunstsammlung, Foto: Jorit Aust © Tobias Pils