Vier Jahrzehnte Musikfestivalgeschichte – und doch wirkt der Kissinger Sommer im Jubiläumsjahr frischer, wagemutiger und inspirierter denn je. Vom 11. Juni bis 18. Juli 2026 feiert Bad Kissingen ein kulturelles Fest, das tief in die europäische Musiktradition hineinhorcht und zugleich den Blick weit öffnet: unter dem Motto „Mazel Tov!“ – ein heiterer, herzlicher Glückwunsch und zugleich eine Verbeugung vor der reichen jüdischen Kultur, die das einst mondäne Weltbad über Jahrhunderte prägte.
Das Festival nimmt den runden Geburtstag zum Anlass, die eigene Geschichte ebenso zu reflektieren wie die historische Topografie der Stadt. Bad Kissingen war über lange Zeit Heimat einer der wichtigsten jüdischen Gemeinden Bayerns; seine Sommergäste – darunter Albert Einstein, Max Liebermann oder Oscar Straus – schrieben europäische Kulturgeschichte mit. Sonderführungen, Lesungen und ein hochkarätig besetztes Symposium rücken diese Tradition ins Bewusstsein. In den Konzerten entfaltet sich daraus ein weit verzweigter musikalischer Kosmos, der von Klezmer bis Kabarett, von Fanny Hensel bis Kurt Weill, von Mahler bis Weinberg reicht. Ein Fest für Ohren, Herz und Geist.

Budapest Festival Orchestra © Ákos Stiller
Doch der Kissinger Sommer bleibt vor allem ein Ort großer musikalischer Ereignisse. Die internationalen Spitzenorchester geben sich erneut im Max-Littmann-Saal die Klinke in die Hand: Das Budapest Festival Orchestra mit Iván Fischer, das BBC Symphony Orchestra unter Sakari Oramo, die Tschechische Philharmonie, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, das hr-Sinfonieorchester oder die Bamberger Symphoniker – sie alle formen im Laufe von fünf Festivalwochen eine beeindruckende orchestrale Dramaturgie. Für festliche Glanzpunkte sorgen Anne-Sophie Mutter, Julia Fischer, Lisa Batiashvili, Christian Tetzlaff oder Kian Soltani.
Ein besonderer Höhepunkt ist das große Jubiläumskonzert: Sir Simon Rattle dirigiert Orffs „Carmina Burana“ als monumentales Open-Air-Erlebnis vor dem historischen Turniergebäude – ein Ereignis, das schon jetzt als legendär gilt. Und als Krönung des Festivalfinales kehrt Cecilia Bartoli mit gleich drei Abenden nach Bad Kissingen zurück, darunter eine halbszenische Aufführung von Glucks Orfeo ed Euridice.

Ann Sophie Mutter © The Japan Art Association, The Sankei Shimbun
Wie immer erweist sich der Kissinger Sommer als Festival für alle Generationen und alle musikalischen Temperamente. Von Kammermusik mit internationalen Stars bis zu Jazz, Techno und Klezmer, vom „Symphonic Mob“ bis zu den beliebten Prélude-Konzerten im Freien reicht die Palette. Gesprächsformate, Ausstellungen und Stadtführungen vertiefen die Inhalte; Matineen, Lounges und After-Concert-Treffpunkte schaffen Orte des Austauschs.
Dass all dies auf einem Fundament außergewöhnlicher Spielstätten ruht – vom akustisch brillanten Max-Littmann-Saal über das Kurtheater bis zur Erlöserkirche – macht den Kissinger Sommer 2026 zu einem Gesamtkunstwerk. Ein Festival, das aus der Geschichte schöpft, in der Gegenwart leuchtet und zugleich weit in die Zukunft weist.
11. Juni bis 18. Juli 2026
www.kissingersommer.de

Bayerisches Rundfunk Symphonie Orchester © Astrid Ackermann







