Mit der Ausstellung SUBJEKT.FRAU.OBJEKT richtet das MMKK einen klar feministischen Blick auf seine Sammlung, die vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart reicht. Während die Bestände seit jeher stark männlich dominiert sind, rückt die aktuelle Schau gezielt Künstlerinnen in den Vordergrund, deren Werke bislang oft nur fragmentarisch oder gar nicht dokumentiert wurden. Die Ausstellung setzt nicht auf eine lineare Kunstgeschichte, sondern erzählt anhand der vorhandenen Arbeiten eine facettenreiche Geschichte des Frau-Seins – zwischen Subjekt und Objekt, Unterdrückung und Selbstermächtigung.

Im Zentrum stehen sieben Schlagworte, die als thematische Leitfäden dienen: Identität und Rolle, Körper und Körperwahrnehmung, Unterdrückung und Ausbeutung, Selbstermächtigung und Emanzipation, Sexualität und Begehren, Subjektentwürfe und Empowerment sowie weiblich konnotierte Techniken. Durch diese Kategorisierung wird der weibliche Körper nicht nur als Motiv, sondern als Träger vielfältiger Erfahrungen und als Instrument künstlerischer Auseinandersetzung sichtbar. Er wird zum Gravitationszentrum der Ausstellung – ein Ort, an dem persönliche Befindlichkeiten, gesellschaftliche Zwänge und emanzipatorische Strategien aufeinandertreffen.

Helga Druml, Bischöfin, 2006, Öl auf Leinwand, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Helga Druml, Bischöfin, 2006, Öl auf Leinwand, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Begleitet wird die Präsentation durch Zitate bedeutender Feministinnen, die den Dialog zwischen Kunst und Theorie öffnen und die philosophisch-kulturelle Dimension des Projekts vertiefen. Die Besucherinnen und Besucher werden eingeladen, die Werke nicht nur als ästhetische Objekte zu betrachten, sondern die Geschichte und die Machtverhältnisse, die hinter ihrer Entstehung stehen, zu reflektieren.
Die Ausstellung beweist, dass feministischer Blick und künstlerische Qualität keine Gegensätze sind: Viele der gezeigten Arbeiten überraschen durch ihre Originalität, Ausdruckskraft und formale Innovation. Sie dokumentieren die Kraft weiblicher Perspektiven in einer Sammlung, die über Jahrzehnte männlich dominiert war. SUBJEKT.FRAU.OBJEKT macht sichtbar, was lange übersehen wurde, und öffnet einen Raum, in dem weibliche Kunst und das Denken über Geschlechterrollen gleichermaßen erlebbar werden.
Diese Schau im MMKK ist ein mutiger Schritt, um die Geschichte der modernen und zeitgenössischen Kunst neu zu beleuchten – mit dem klaren Ziel, die Stimme der Frauen nicht nur nachträglich hörbar zu machen, sondern ihr künstlerisches Potenzial als eigenständige Kraft zu würdigen.
25. September 2025 bis 15. Februar 2026

SUBJEKT . FRAU . OBJEKT, 2025, Ausstellungsansichten Museum Moderner Kunst Kärnten, Foto: Arnold Pöschl

SUBJEKT . FRAU . OBJEKT, 2025, Ausstellungsansichten Museum Moderner Kunst Kärnten, Foto: Arnold Pöschl

fokus sammlung. MEISTERWERKE
In drei der 14 Ausstellungsräume zeigt das Museum Moderner Kunst Kärnten eine Präsentation von ausgewählten Werken aus der Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK. Zu sehen sind Bilder der bedeutenden Protagonistinnen und Protagonisten der Kunst in Kärnten im 19. und frühen 20. Jahrhundert, von der Biedermeiermalerei über die beginnende Moderne bis hin zum Kärntner Expressionismus, mit Schwerpunkt auf weibliche Positionen und auf die Malerinnen des Viktringer Kreises.
25. September 2025 bis 15. Februar 2026

Renate Krammer: floating lines in der Burgkapelle
Renate Krammer, 1956 in Klein St. Paul in Kärnten geboren, arbeitet mit reduzierten Mitteln und konzentriert sich stets auf das Wesentliche. Zentrale Gegenstände ihrer künstlerischen Arbeit sind Linie und Raum. Das grundlegende bildnerische Element der Linie, dessen Form und ausdruckskraft schier unerschöpflich ist, bietet der Künstlerin in seinem minimalistischen Charakter einen unbeschränkten Handlungsradius. In vielfältigen Serien, am Papier und aus Papier, wird das Potenzial des formalen Vokabulars erprobt und immer weiterentwickelt – von der Fläche in den Raum, vom körperlosen Strich zum konkreten Element. In der ortsspezifischen Installation der Burgkapelle des MMKK arbeitet Renate Krammer mit Schnüren, deren lineare Form in ihrer parallelen Aneinanderreihung zu breiten Bahnen und deren Verschränkung eine minimalistische, im Raum schwebende, transparente, ephemere Struktur zeitigen. Diese durchmisst den Kapellenraum in großzügigen Schwüngen und bringt auf diese Weise seine euklidischen wie philosophischen Dimensionen zur Geltung.
16. Oktober 2025 bis 15. Februar 2026
https://mmkk.ktn.gv.at/

Renate Krammer, floating lines, 2025, Acrylglas, Baumwolle, Nylon, ca. 450 x 370 x 420 cm (Detail), Foto: Renate Krammer © Bildrecht, Wien 2025

Renate Krammer, floating lines, 2025, Acrylglas, Baumwolle, Nylon, ca. 450 x 370 x 420 cm (Detail), Foto: Renate Krammer © Bildrecht, Wien 2025