Mit der Ausstellung MƎTAATEM verwandelt Kerstin Brätsch das Kunstmuseum Bonn in ein pulsierendes Experimentierfeld der Malerei. Schon beim Betreten der Räume umfängt die Besucherinnen und Besucher eine eigentümliche Spannung: Farbfelder flirren, Strukturen scheinen sich zu bewegen, und die Grenze zwischen Bild, Körper und Raum beginnt zu verschwimmen. Brätsch, 1979 in Hamburg geboren und längst eine international gefeierte Position, führt die abstrakte Malerei auf radikale Weise weiter – indem sie sie dehnt, verfremdet, spiegelt und immer wieder neu erfindet.

Im Zentrum ihrer Praxis steht die Frage, was Malerei heute sein kann. Sie verbindet den physischen Akt des Malens mit digitalen Verfahren, experimentiert mit Glasmalerei, Papierarbeiten, Wandinstallationen oder großflächigen Hängungen. Damit schlägt sie Brücken zwischen uralten Handwerkstechniken und zeitgenössischen Bildwelten. Ähnlich dem Prinzip der Mimikry, bei dem Tiere durch Imitation überleben, wandern ihre Motive durch unterschiedliche Medien und Formate – immer im Prozess, nie endgültig abgeschlossen.

Kerstin Brätsch, Nammu, Mutter, 2012-2021, Foto Andrea Rossetti

Kerstin Brätsch, Nammu, Mutter, 2012-2021, Foto Andrea Rossetti

MƎTAATEM präsentiert Neuproduktionen sowie Arbeiten aus den vergangenen 15 Jahren und macht sichtbar, wie weit gefasst Brätschs künstlerisches Vokabular ist. Nicht selten arbeitet sie im Kollektiv – etwa als Teil von DAS INSTITUT (mit Adele Röder), KAYA (mit Debo Eilers) oder gemeinsam mit Sergei Tcherepnin und Wibke Tiarks. Diese Kollaborationen hinterfragen das klassische Bild von Autorschaft und öffnen den Diskurs um Malerei hin zu sozialen und politischen Fragen.
Die Ausstellung macht spürbar, wie Brätsch die Malerei nicht als statisches Medium, sondern als lebendigen Organismus versteht. Farbe, Licht, Zufall und Gemeinschaft – all das wird Teil eines Prozesses, der den Besucherinnen und Besuchern neue Wahrnehmungsräume eröffnet.
11. Dezember 2025 bis 12. April 2026
www.kunstmuseum-bonn.de

Kerstin Brätsch, MƎTA Serie, 2024, Courtesy Gladstone Gallery

Kerstin Brätsch, MƎTA Serie, 2024, Courtesy Gladstone Gallery