Wenn sich Ende August die Tore von Schloss Mondsee öffnen, wird der idyllische Ort erneut zum Zentrum großer Kammermusik. Die Musiktage Mondsee 2026 stehen unter einem ebenso spannenden wie bewegenden Motto: „Schostakowitsch und Prokofjew – Komponieren in der Diktatur“. Im Fokus stehen zwei Komponisten, deren Werke nicht nur musikalisch herausragen, sondern auch als Zeugnisse einer Zeit politischer Repression gelesen werden können – Dmitri Schostakowitsch und Sergej Prokofjew.
Beide Künstler entschieden sich, trotz wachsender Einschränkungen und Zensur im stalinistischen System zu bleiben. Ihre Musik erzählt von diesem Spannungsfeld: zwischen Anpassung und innerem Widerstand, zwischen öffentlicher Erwartung und persönlichem Ausdruck. Die Musiktage Mondsee machen diese Gratwanderung hörbar – mit Werken, die oft doppeldeutig sind, voller Brüche, Ironie und versteckter Botschaften.
Ergänzt wird das Programm durch Kompositionen von Zeitgenossen, die ins Exil gingen, darunter Igor Strawinsky und Sergej Rachmaninow. Ihre Musik, geprägt von größerer Freiheit, erweitert den Blick auf eine Epoche, in der Kunst und Politik untrennbar miteinander verwoben waren. So entsteht ein vielschichtiges Panorama musikalischer Ausdrucksformen im 20. Jahrhundert. Ein besonderer Höhepunkt ist das Familienkonzert mit Prokofjews weltberühmtem „Peter und der Wolf“, das Generationen von Zuhörerinnen und Zuhörern begeistert. Gleichzeitig setzt das Festival mit dem lettischen Komponisten Pēteris Vasks als Composer in Residence einen eindrucksvollen Akzent. Vasks, der 2026 seinen 80. Geburtstag feiert, reflektiert in seinen Werken die Erfahrungen von Unterdrückung und die Sehnsucht nach Freiheit – Themen, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Festivalprogramm ziehen.

Elisabeth Leonskaja © Julia Wesely
Auch interpretatorisch verspricht die Ausgabe 2026 höchste Qualität: Mit Künstlerpersönlichkeiten wie Elisabeth Leonskaja, Christian Poltéra, Esther Hoppe, Julian Bliss, Juho Pojonen, Céline Moinet und Joseph Lorenz sowie dem Javus Quartett wird Musik auf höchstem Niveau erlebbar. Die besondere Nähe zwischen Publikum und Künstlern, für die das Festival seit jeher geschätzt wird, schafft dabei eine Atmosphäre, die weit über den klassischen Konzertbetrieb hinausgeht.
Seit über 35 Jahren stehen die Musiktage Mondsee für künstlerische Exzellenz in persönlichem Rahmen. Gegründet von András Schiff, entwickelte sich das Festival rasch zu einem internationalen Treffpunkt der Kammermusik. Heute führt Matthias Lingenfelder als künstlerischer Leiter diese Tradition fort – mit einem klaren Fokus auf musikalische Tiefe und authentische Begegnungen. Die Musiktage Mondsee 2026 sind damit weit mehr als eine Konzertreihe: Sie sind eine Einladung, Musik als Spiegel ihrer Zeit zu erleben – intensiv, berührend und hochaktuell.
28. August bis 5. September 2026, Schloss Mondsee
www.musiktage-mondsee.at

Esther Hoppe © Esther Hoppe






