Wie lässt sich etwas beschreiben, das sich jeder Vorstellung entzieht? Mit „Moses und Aron“ schuf Arnold Schönberg eines der bedeutendsten und zugleich herausforderndsten Musiktheaterwerke des 20. Jahrhunderts. Die Oper verbindet philosophische Fragestellungen mit einer eindringlichen musikalischen Sprache und kreist um den Konflikt zwischen Idee und Darstellung, Glaube und Verführung.

Im Mittelpunkt stehen die Brüder Moses und Aron, die den Auftrag haben, ihrem Volk die Vorstellung eines unsichtbaren und unbegreiflichen Gottes zu vermitteln. Während Moses auf die Reinheit der Idee beharrt, sucht Aron nach Bildern, Worten und Symbolen, um die Menschen zu erreichen. Aus diesem Gegensatz entwickelt sich ein grundlegender Konflikt: Wie kann eine abstrakte Wahrheit vermittelt werden, ohne sie dabei zu verfälschen? Die berühmte Szene um das Goldene Kalb macht diesen Widerspruch ebenso eindrucksvoll wie erschütternd sichtbar.

Schönbergs Oper entstand vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Umbrüche der 1920er-Jahre und gilt als Schlüsselwerk seiner Zwölftonmusik. Zugleich wirft sie Fragen auf, die bis heute aktuell geblieben sind: Wie entstehen Ideologien? Welche Rolle spielen Bilder und Symbole? Und wie gelingt ein Zusammenleben ohne Ausgrenzung und Feindbilder?

Die grenzüberschreitende Koproduktion der Theater Basel und Freiburg nähert sich diesen Themen mit großer Aktualität. Theaterlegende Walter Hess übernimmt die Rolle des Moses und verleiht der zentralen Figur besondere Präsenz. Ergänzt wird die Produktion durch ein umfangreiches Diskursprogramm in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen und kulturellen Institutionen beider Städte.

So wird „Moses und Aron“ zu weit mehr als einer Opernaufführung: zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit Glauben, Identität und den Herausforderungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens – musikalisch anspruchsvoll, gedanklich faszinierend und von bemerkenswerter Gegenwartsrelevanz.
Premiere 3. Oktober
weitere Aufführungen: 5., 11., 17., 28. und 30. Oktober, 5., 15. und 29. November, 5. Dezember 2026

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