Intrigen, Missverständnisse und verborgene Loyalitäten prägen Tancredi, Gioachino Rossinis frühe Oper über Liebe, Ehre und politische Verpflichtung. Vor dem Hintergrund eines drohenden Krieges entfaltet sich ein Drama zwischen persönlicher Wahrheit und öffentlicher Macht.

Während sich Syrakus auf den Kampf gegen die Sarazenen vorbereitet, gerät die Königstochter Amenaide unter den Verdacht des Hochverrats. Ein abgefangener Brief, der angeblich an den feindlichen Anführer Solamir gerichtet ist, wird als Liebesbekenntnis gedeutet und bringt sie in Lebensgefahr. Tatsächlich war das Schreiben für Tancredi bestimmt – einen verbannten Ritter und Amenaides heimlichen Geliebten, der unerkannt in die Stadt zurückkehrt. Zwar gelingt es ihm, Amenaide vor der Hinrichtung zu bewahren, doch der Zweifel an ihrer Treue bleibt bestehen. Während politische Allianzen, eine beendete Familienfehde und eine erzwungene Heirat die Lage weiter verkomplizieren, rückt der Krieg unaufhaltsam näher. Tancredi steht vor der Entscheidung, die Stadt in die Schlacht zu führen – und zugleich mit den eigenen Gefühlen zu ringen.

So vielschichtig das Libretto erscheint, so klar und elegant formt Rossini das Geschehen in Musik. Mit Tancredi begründete der erst zwanzigjährige Komponist seine internationale Karriere. Die Partitur folgt dem Belcanto-Ideal des 18. Jahrhunderts und verbindet klassizistische Anmut mit kompositorischer Erneuerung. Charakteristisch ist die Titelpartie als Hosenrolle für Mezzosopran – eine Besetzung, die dem Ende des Kastratenzeitalters geschuldet ist und der Figur eine besondere emotionale Tiefe verleiht. Trotz tragischer Verstrickungen bewahrt die Oper einen ausgewogenen, beinahe heiteren Grundton, der dem Werk eine arkadische Leichtigkeit verleiht und Tancredi bis heute zu einem besonderen Beitrag innerhalb von Rossinis Opernschaffen macht.
Premiere 7. Juni
wetiere Aufführungen: 11., 17., 20., 22., 24., 26. und 28. Juni 2026

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