Zwanzig Jahre, ohne voneinander zu hören. Die zeitlose Geschichte des kriegsverschollenen Odysseus und seiner Frau Penelope, die verzweifelt auf seine Rückkehr hofft, erscheint heute wieder aktueller denn je.

Mit seiner „Odyssee“ hatte Homer sie in ein überwältigendes Vers-Epos gepackt, das zum ältesten und bedeutendsten der Weltliteratur zählt. Zweieinhalb Jahrtausende später, um 1640, machte der Opernpionier Claudio Monteverdi daraus ein ergreifendes Musiktheater zwischen tiefem Ernst und beißendem Witz: „Il ritorno d’Ulisse in patria“ („Die Rückkehr des Odysseus in die Heimat“).
Diesem Meilenstein der Operngeschichte widmet sich das Barock-Ensemble pazzaCaglia (27 Jahre nach seiner Gründung) auf gewohnt unkonventionelle Art. In eigens dafür geschaffenen Neuvertonungen werden Homerische Originaltexte mit frühbarocken Opernausschnitten kontrastiert.
Figuren aus Götterwelten und Königshäusern,  edle und unedle Schmarotzer, treue und untreue Bedienstete und Liebende betreten die Bühne – dargestellt von bloß einer Sängerin und einem Sänger und, in Anlehnung an das antike Vorbild, von nur einem Saiteninstrument begleitet.
Es geht darum, wie Menschen in Ausnahmesituationen miteinander umgehen, weshalb die Gattin ihren Kriegsheimkehrer lange nicht wiedererkennt, kurz: um das ewige Spiel von Vertrauen und Misstrauen, Macht und Ohnmacht, Liebe und Hass, Treue und Verrat, Leben und Tod.
Wie unterm Mikroskop wird so ein jahrtausendealter, aber immer noch brandaktueller Stoff heruntergebrochen auf wirklichkeitspralle Zweierbegegnungen. Ein Räderwerk aus antiken, frühneuzeitlichen und gegenwärtigen Sichtweisen setzt sich in Gang – im Kopf und außerhalb …
Premiere 26. Januar 2024
weitere Aufführungen: 2. und 3. Februar 2024

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