Das museum gugging widmet dem international gefeierten Fotokünstler Roger Ballen eine umfassende Ausstellung, die einen neuen Blick auf sein Œuvre wirft. Unter dem Titel roger ballen.! drawing meets photography wird das Spannungsfeld zwischen Zeichnung und Fotografie in den Mittelpunkt gerückt – zwei Ausdrucksformen, die Ballen seit Jahrzehnten radikal miteinander verbindet.

Der 1950 in New York geborene, seit vielen Jahren in Südafrika lebende Künstler zählt zu den prägendsten Fotografen unserer Zeit. Bekannt wurde er durch seine düsteren, rätselhaften Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die mitunter wie Bühnenbilder des Unterbewussten wirken. Menschen, Tiere, Objekte und rätselhafte Zeichen treten in eine beklemmende wie faszinierende Choreografie, die tief in psychologische Abgründe führt. Doch Ballens Arbeit ist weit mehr als reine Fotografie: Sie bewegt sich zwischen Malerei, Zeichnung, Skulptur und Installation.

Roger Ballen, Untitled, 2020 © Roger Ballen

Roger Ballen, Untitled, 2020 © Roger Ballen

In Gugging zeigt die von Nina Ansperger kuratierte Ausstellung erstmals systematisch, welche Rolle die Zeichnung in der Entwicklung der unverwechselbaren „ballenesque“ Ästhetik spielt. Striche, Symbole, kritzelartige Formen erscheinen in seinen Bildern als eigenständige Akteure, die mit den fotografierten Szenen in Dialog treten. Sie erweitern das Medium Fotografie, durchbrechen seine vermeintliche Objektivität und schaffen hybride Bildwelten, die zwischen Realität und Vision oszillieren. Ballen selbst beschreibt seine Arbeitsweise als Befreiung der Fotografie: „Ich habe Zeichnung und Fotografie in die Malerei integriert, um Mixed-Media-Bilder zu erzeugen. Mein Ziel war es, die Grenzen zwischen den Künsten aufzubrechen und die Fotografie aus ihrer Selbstisolation zu befreien.“
Gerade das museum gugging, das wie kaum ein anderer Ort für die Kraft der Zeichnung steht, bietet für diese Präsentation den idealen Kontext. Denn die Zeichnung ist auch das zentrale Ausdrucksmittel der Gugginger Künstler*innen, deren spontane, unmittelbare Bildsprache in einem spannenden Dialog mit Ballens Werken steht.
So wird die Ausstellung nicht nur zu einer Reise in die Bildwelten eines außergewöhnlichen Fotokünstlers, sondern auch zu einer Reflexion über das Zeichnen als Ursprache der Kunst – roh, direkt und voller existenzieller Wucht.
25. September 2025 bis 15. Februar 2026
www.museumgugging.at

Roger Ballen, Perplexed, 2019 © Roger Ballen

Roger Ballen, Perplexed, 2019 © Roger Ballen