Das Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz ist ein Zentrum für moderne und zeitgenössische Kunst. Statt einer permanenten Sammlungspräsentation bietet es wechselnde Formate, die internationale Werke von der frühen Moderne bis heute in überraschende Dialoge setzen. Seit 2015 ist das Museum mit dem Ausstellungsgebäude der Hilti Art Foundation erweitert, wodurch die Sammlung Liechtensteins klassische Moderne und Gegenwartskunst in einem gemeinsamen architektonischen Ensemble erlebbar macht. Das Kunstmuseum Liechtenstein beweist 2026/2027 einmal mehr, dass es ein Ort der Entdeckungen, Begegnungen und Reflexion ist – ein Raum, in dem Geschichte, Gegenwart und Experimente lebendig zusammenkommen.
Eleanor Antin. Eine Retrospektive
Seit mehr als fünf Jahrzehnten zählt Eleanor Antin zu den prägenden Stimmen der internationalen Gegenwartskunst. Nun widmet das Kunstmuseum Liechtenstein der amerikanischen Künstlerin eine umfassende Retrospektive, die eindrucksvoll vor Augen führt, wie aktuell, vielschichtig und überraschend ihr Werk bis heute geblieben ist. Die Ausstellung „Eleanor Antin – Eine Retrospektive“ versammelt Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensphasen und Medien und zeigt eine Künstlerin, die wie kaum eine andere Fragen nach Identität, Rolle und gesellschaftlicher Inszenierung untersucht hat. Antin, 1935 in New York geboren, gilt als Pionierin der künstlerischen Selbstinszenierung. Bereits seit den späten 1960er-Jahren nutzt sie ihren eigenen Körper als Projektionsfläche für gesellschaftliche und historische Narrative. Dabei schlüpft sie in unterschiedlichste Rollen – als König, Ballerina, Krankenschwester oder historische Figur – und entwirft Identitäten, die zugleich künstlich, humorvoll und zutiefst menschlich erscheinen. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Performance, Fotografie, Film, Text, Skulptur und Installation und entziehen sich konsequent einer eindeutigen Zuordnung.

Eleanor Antin, Installationsansicht Kunstmuseum Liechtenstein, Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich © Eleanor Antin / Kunstmuseum Liechtenstein
Was Antins Werk bis heute so faszinierend macht, ist die Verbindung aus analytischer Schärfe und feinem Humor. Ihre Figuren wirken oft wie theatrale Masken, hinter denen sich grundlegende Fragen verbergen: Wer sind wir? Wie entstehen gesellschaftliche Rollenbilder? Und wie sehr bestimmen Geschichte, Macht und kulturelle Erwartungen unser Selbstbild? Antin beantwortet diese Fragen nie direkt. Stattdessen eröffnet sie Räume der Irritation und der Reflexion, in denen Identität als etwas Wandelbares und Vielschichtiges erscheint.
Die Retrospektive macht sichtbar, wie konsequent Antin über Jahrzehnte hinweg an diesen Themen gearbeitet hat. Zugleich zeigt die Ausstellung, wie visionär viele ihrer Arbeiten waren. Lange bevor Fragen nach Gender, Performativität oder Selbstentwurf breite gesellschaftliche Debatten bestimmten, untersuchte Antin bereits die Konstruktion von Identität und die Mechanismen öffentlicher Darstellung. Ihre Kunst wirkt deshalb erstaunlich gegenwärtig.
Besonders eindrucksvoll ist dabei die mediale Offenheit ihres Œuvres. Fotografie und Film stehen neben performativen Arbeiten, installative Elemente neben erzählerischen Texten. Immer wieder entstehen dabei hybride Formen zwischen Dokumentation und Fiktion, zwischen autobiografischer Spur und erfundener Erzählung. Gerade diese Offenheit macht den Reiz der Ausstellung aus: Sie zeigt keine abgeschlossene künstlerische Position, sondern ein Denken in Rollen, Bildern und Möglichkeiten.
Kuratiert wurde die Ausstellung von Christiane Meyer-Stoll gemeinsam mit Henrik Utermöhle. Initiiert wurde das Projekt vom Mudam Luxembourg – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, bevor die Schau nach Vaduz und anschließend an das MOCAK in Krakau weiterreist. Begleitende Publikationen wie „Eleanor Antin. Works 1965–2017“ vertiefen den Einblick in das Werk der Künstlerin. Zur Finissage am 27. September 2026 wird zudem Saâdane Afif eine eigens entwickelte Performance realisieren.
27. März bis 27. September 2026
www.kunstmuseum.li

Eleanor Antin, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein, Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich © Eleanor Antin / Kunstmuseum Liechtenstein
















