Ein Abend, der die ganze Spannbreite der Orgel hörbar macht – von barocken Farben bis zu moderner Klangmagie.
Juan de la Rubia, Organist der Sagrada Família in Barcelona, bringt ein Programm nach Bamberg, das die Orgel als Erzählerin, Virtuosin und Klangforscherin zeigt. Sein Konzert im Joseph-Keilberth-Saal verbindet frühe Renaissance-Fantasien, barocke Meisterwerke und zeitgenössische Minimalmusic zu einem Bogen voller Kontraste und überraschender Übergänge. Händels Ouvertüre zu Samson eröffnet den Abend mit festlichem Gestus, bevor Eustache du Caurroys Fantasie über „Une jeune fillette“ in eine Welt feiner Linien und ornamentreicher Renaissance-Kultur führt.
Auch Bach bekommt einen starken Akzent: Die d-Moll-Chaconne, in ihrer Orgelbearbeitung ein Wechselspiel zwischen innerer Sammlung und eruptiver Kraft, bildet einen dramaturgischen Höhepunkt. Tournemires Choral-Improvisationen – selten live zu hören – zeigen eine mystische Klangsprache, die nur dank historischer Aufnahmen überliefert ist. Jehan Alains Variationen bringen einen hellen, rhythmisch geprägten Zugriff, während Philip Glass’ Mad Rush mit seinem pulsierenden Atem einen fast tranceartigen Kontrast setzt.
Zwischen den Werken zeigt de la Rubia immer wieder seine besondere Begabung für Improvisation – jene Kunst, die die Orgel zum lebendigsten Instrument des Raums macht. Sein Spiel lebt von Nuancen, Farben und einer gestalterischen Freiheit, die das Instrument mit all seinen Möglichkeiten zum Leuchten bringt. Ein Konzert, das nicht nur beeindruckt, sondern die Orgel als Klanguniversum neu erfahrbar macht.
8. März 2026






