Was sagt die Kunst über Kindheit? Die Ausstellung „Kinder, Kinder!“ im Bucerius Kunst Forum lädt zu einer beeindruckenden Zeitreise durch fünf Jahrhunderte Kinderdarstellungen ein – ein Blick auf Ideale, Rollenbilder und die große Frage, wie sich unsere Vorstellung vom Kindsein verändert hat.
Die Ausstellung „Kinder, Kinder!“ im Bucerius Kunst Forum zeigt eindrucksvoll, wie stark gesellschaftliche Werte in den Darstellungen von Kindern zum Ausdruck kommen. Über fünf Jahrhunderte hinweg entfaltet sich ein facettenreiches Panorama: von Madonnenbildern der Renaissance bis zu zeitgenössischer Fotografie und Medienkunst. In sechs Kapiteln präsentiert die Schau Gemälde, Arbeiten auf Papier, Skulpturen und Fotografien, die das Bild des Kindes immer wieder neu definieren.
Der Ausgangspunkt liegt in ikonischen Mutter-Kind-Darstellungen, die lange Zeit als Idealbilder familiärer Bindung galten. Um 1500 dienten Kinderporträts in adeligen Kreisen vor allem der Repräsentation: Sie sollten Macht festigen und Erbansprüche unterstreichen. Entsprechend erscheinen Kinder oft wie kleine Erwachsene – in Rüstung, mit Symbolen der Herrschaft oder in allegorischen Rollen als antike Gottheiten.

Blick in die Ausstellung, „Kinder, Kinder! Zwischen Repräsentation und Wirklichkeit“ im Bucerius Kunst Forum Hamburg © Bucerius Kunst Forum Hamburg
Einen Kontrast dazu bilden die Darstellungen armer Kinder im 17. Jahrhundert in den Niederlanden und in Spanien. Obwohl sie häufig prekäre Lebenssituationen zeigen, fehlt es ihnen erstaunlich selten an Leichtigkeit oder einem Lächeln – ein Hinweis darauf, dass Kinderarbeit und Armut damals anders bewertet wurden als heute. Besonders deutlich wird der Wandel im 17. und 18. Jahrhundert, als sich ein neues Verständnis von Kindheit etabliert: Kinder werden als eigenständige Persönlichkeiten wahrgenommen, ihre Entwicklung, ihre Nähe zur Natur, ihr Spiel und ihre Fantasie rücken in den Fokus. Auch die Form des Erinnerns verändert sich – während früher Porträts verstorbener Kinder üblich waren, hält man heute Momente des Alltags und der Lebendigkeit fest.
Mit Werken von Tizian, Anthonis van Dyck, Joshua Reynolds, Gerrit van Honthorst, François Boucher, Paula Modersohn-Becker, Oskar Kokoschka, Gerhard Richter, Rineke Dijkstra, Nobuyoshi Araki und vielen weiteren zeigt die Ausstellung, wie Künstlerinnen und Künstler das Kindsein über die Jahrhunderte betrachtet, stilisiert und neu erfunden haben. Ein vielschichtiges, berührendes und oft überraschendes Bild von der wichtigsten Lebensphase des Menschen entsteht.
28. November 2025 bis 6. April 2026
















