Die Retrospektive „Gustave Courbet. Realist und Rebell” im Leopold Museum, der ersten umfassenden Einzelausstellung des Künstlers in Österreich, bietet einen tiefgehenden Einblick in das gesamte Schaffen Courbets. Sie vereint zentrale Gemälde, Grafiken und Zeichnungen aus allen Schaffensphasen und ermöglicht so, die Entwicklung eines Künstlers nachzuvollziehen, der stets zwischen Individualität, Gesellschaftskritik und Naturbeobachtung balancierte.
Gustave Courbet (1819–1877) gilt als unangefochtener Wegbereiter des Realismus, der sich konsequent gegen die idealisierenden Konventionen der Kunst des 19. Jahrhunderts wandte. Mit unerschütterlicher Direktheit porträtierte er das Leben in all seinen Facetten – vom einfachen Landvolk bis zu den urbanen Gesellschaftsschichten – und stellte damit die ästhetischen Normen seiner Zeit radikal in Frage. Courbets Werk ist geprägt von einer Kombination aus künstlerischer Selbstbestimmung, politischem Engagement und der Lust an Provokation: Ob als Maler, der die physische Realität ohne Verschönerung darstellt, oder als politisch aktiver Bürger während der Pariser Kommune 1871 – Courbet war ein Rebell auf allen Ebenen.Die Ausstellung beginnt mit den frühen Selbstporträts, in denen Courbet seine Selbstwahrnehmung und sein Selbstbewusstsein deutlich macht. Sie führt weiter zu seinen bahnbrechenden Bildern des sozialen Realismus, in denen er das Leben der Arbeiter und Bauern darstellt, sowie zu Szenen des Pariser Alltags, die gleichzeitig poetisch und kritisch sind. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Landschaften seiner Heimat Ornans und der Region Franche-Comté: Mit expressiver Kraft und subtiler Lichtgestaltung fängt Courbet die Natur in ihrer Direktheit ein. Auch Meeresdarstellungen und Sinnlichkeit in Porträts und Akten spiegeln die Bandbreite seines visuellen Interesses wider.

Gustave Courbet, L’Homme à la pipe/Der Mann mit der Pfeife, um 1849 © Musée Fabre, Montpellier, Foto: Musée Fabre de Montpellier Méditerranée Métropole/Frédéric Jaulmes
Ein weiterer Schwerpunkt sind die Werke aus Courbets Schweizer Exil, das er nach seiner politischen Verfolgung während der Pariser Kommune antreten musste. Hier zeigt sich seine Fähigkeit, innere Freiheit und künstlerische Selbstbestimmung in einer neuen Umgebung zu manifestieren – fernab von politischem Druck und künstlerischen Erwartungen.
Die Retrospektive würdigt nicht nur Courbets künstlerische Leistung, sondern auch seinen unerschütterlichen Drang, Konventionen zu hinterfragen und gesellschaftliche Realitäten sichtbar zu machen. Die Besucherinnen und Besucher erhalten so die Möglichkeit, sowohl den Rebell als auch den sensiblen Beobachter zu entdecken: einen Künstler, dessen Werk noch heute provoziert, inspiriert und staunen lässt.
19. Februar bis 21. Juni 2026
www.leopoldmuseum.org

Gustave Courbet, L’Après-dînée à Ornans/Nach dem Abendessen in Ornans, 1849 © Lille, Palais des Beaux-Arts | Foto: GrandPalaisRmn (PBA, Lille)/Philipp Bernard






