Luis Rauschhuber (1904–1973) zählt zu den bedeutenden, aber heute weitgehend vergessenen Bildhauern des 20. Jahrhunderts in Nürnberg. Während viele seiner Zeitgenossen noch regelmäßig in Ausstellungen und Publikationen präsent sind, geriet sein umfangreiches Werk in Vergessenheit – eine Schieflage, die seine Tochter Monika Nagel und seine Enkelin Johanna Junold nun korrigieren. Am 1. Juni 2025 eröffneten sie das Atelier- und Wohnhaus von Rauschhuber in der Königsbergerstraße 49 in Ziegelstein als privates Museum. Besucherinnen und Besucher erhalten hier einen direkten Einblick in das Leben und Schaffen eines Künstlers, dessen Werke über Jahrzehnte das Stadtbild Nürnbergs prägten.
Rauschhubers Arbeiten sind vor allem für ihre stille, kontemplative Kraft bekannt. Seine Skulpturen – große und kleine, freistehende und wandgestaltende – begegnen den Nürnbergerinnen und Nürnbergern an zahlreichen Orten. Vom steinernen Kruzifix am Eingang des Johannisfriedhofs über das Hauszeichen „Die Schreibende“ am Verlagshaus Nürnberger Presse bis hin zu Sandsteinfriesen im Innenhof des Finanzamts Süd oder dem Sgraffito „Beruf und Handwerk“ auf der Brüstung des Rathauses – Rauschhubers Werk ist subtil, aber allgegenwärtig. In diesen Arbeiten zeigt sich seine tiefe Religiosität ebenso wie sein Interesse an der menschlichen Figur, am Alltag und an der urbanen Kultur seiner Heimatstadt.

Lautenspieler von Luis Rauschhuber im Garten des Atelierhauses. Foto: Alexandra Foghammar
Geboren in Oberbayern, wuchs Rauschhuber als Vollwaise auf und verdiente bereits als Jugendlicher seinen Lebensunterhalt beim Kanalbau am Inn. 1924 zog er nach Nürnberg, wo er seine Liebe zu Architektur und Bildhauerei entdeckte und eine Lehre als Steinmetz absolvierte. Parallel dazu besuchte er Abendkurse an der Staatsschule für angewandte Kunst und gewann früh Preise und Auszeichnungen für seine Arbeiten. 1930 bis 1933 ermöglichte ihm ein Stipendium das Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Karl Killer. Seine Aufnahmearbeit, der „Schmerzensmann“, ist bis heute als Kriegerdenkmal in der Kirche St. Martin zu sehen. Nach seiner Rückkehr nach Nürnberg arbeitete Rauschhuber als freier Bildhauer und gewann vor allem für seine Porträts rasch öffentliche Aufmerksamkeit.

Luis Rauschhuber © Atelierhaus Rauschhuber
Der Zweite Weltkrieg brachte schwere Rückschläge: Zweimal wurde sein Atelier zerstört, auch seine Wohnung ging verloren. 1944 heiratete er Gertrud Meixner, und nach Kriegsende kehrte das Paar nach Nürnberg zurück. In den 1950er-Jahren entstanden seine Kinder Monika und Martin, und Rauschhuber schuf in seinem Atelierhaus in Ziegelstein ein umfangreiches Werk aus Skulpturen, Porträts und Zeichnungen. Er stand im regen Austausch mit Malern, Architekten, Musikern, Dichtern und Theaterleuten. Besonders prägend war seine Freundschaft mit dem Maler Eitel Klein. Viele seiner Großaufträge, darunter religiöse Themen, Mutter-Kind-Darstellungen, Engel und Pieta, sind bis heute in Nürnberg zu sehen. Seine letzte große Plastik „Der leidende Mensch“ entstand 1971 und steht im Klinikum Nürnberg Nord.
Rauschhubers Stil blieb zeitlebens unverwechselbar: eine klare Formensprache, gepaart mit sensibler Ausdruckskraft, inniger Emotionalität und einem starken Bezug zur Materialität. Die großen Veränderungen der Kunstszene in den 1960er- und 70er-Jahren berührten ihn wenig; er blieb seinem eigenen künstlerischen Ethos treu, auch wenn dies die öffentliche Wahrnehmung schmälert. Er verstarb 1973 in Nürnberg, doch seine Werke leben weiter – nicht zuletzt im neuen Atelierhaus, das jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr Besucherinnen und Besuchern offensteht und Einblicke in das kreative Leben eines Bildhauers ermöglicht, dessen Kunst bis heute berührt und nachhallt.
Sonntags von 13 bis 16 Uhr
www.atelierhaus-rauschhuber.de

Entwurf für die Großplastik „Der leidende Mensch“ für das Nordklinikum, Terracotta patiniert, um 1972. Foto: Alexandra Foghammar






