Hoch über dem Vierwaldstättersee und zugleich tief im Gedächtnis der Region verankert, versteht sich das Nidwaldner Museum als lebendiger Ort der Auseinandersetzung mit Kunst und Geschichte. In seinen drei Häusern – dem Winkelriedhaus mit Pavillon, dem Salzmagazin und der Festung Fürigen – entfaltet sich ein Panorama Nidwaldens zwischen Tradition und Gegenwart. Drei Dauerausstellungen und mehrere Wechselschauen jährlich setzen präzise thematische Akzente – stets mit Blick auf die kulturelle Eigenart des Kantons.
Hinter Glas
Die Ausstellung „Hinter Glas“ spannt einen faszinierenden Bogen von der Blütezeit der Hinterglasmalerei in der Zentralschweiz des 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Historische Werke aus dem 17. bis 19. Jahrhundert treten in Dialog mit zeitgenössischen Positionen – und offenbaren überraschende Parallelen in Lichtführung, Motivik und Materialität.
Im Zentrum steht die Surseer Tradition um die Familie Abesch. Besonders beeindruckend ist das Werk von Anna Barbara Abesch, die als herausragende Vertreterin der Kunstform gilt. Mit rund 300 erhaltenen Arbeiten und einem weit verzweigten Auftraggeberkreis war sie nicht nur Künstlerin, sondern auch erfolgreiche Unternehmerin.
Zeitgenössische Akzente setzen Positionen wie Silvia Gertsch, Romuald Etter, Flavio Micheli und Esther Wicki-Schallberger. Gertschs „Handy Girls“ tauchen junge Frauen in das übernatürliche Leuchten ihrer Smartphones – eine moderne Entsprechung zu den mystischen Lichtquellen barocker Heiligendarstellungen. Etters traumartige Nachtlandschaften oszillieren zwischen Realität und Vision, während Michelis abstrakte Arbeiten hinter Opalglas die Wahrnehmung gezielt irritieren. Wicki-Schallberger wiederum verbindet in Assemblagen religiöse Volkskunst mit poetischer Gegenwart.
So wird Hinterglasmalerei hier nicht als museales Relikt gezeigt, sondern als lebendige Technik, die Spiegelung, Leuchtkraft und Tiefenwirkung bis heute neu interpretiert.
28. Februar bis 7. Juni 2026, Winkelriedhaus & Pavillon

Romuald Etter, Le petit cauchemar 21, 2015/16, Öl und Siebdruck auf Glas; Öl, Kunstharz und Siebdruck hinter Glas, Fotografie: Beat Brechbühl, Luzern
Homesick anderswo
Zum 100. Geburtstag widmet das Museum dem Künstler Pravoslav Sovak eine umfassende Retrospektive. 1926 in Ostböhmen geboren, verliess Sovak 1968 nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen Prag und fand 1969 in der Schweiz politisches Asyl. Ab 1978 lebte und arbeitete er in Hergiswil. Sein Werk ist von einem leisen, aber beständigen Heimweh durchzogen. Städte wie New York mit ihren Hochhausschluchten oder die Weiten Arizonas werden in seinen Bildern zu imaginären Zufluchtsorten. Acht Jahre arbeitete Sovak an einem einzigen Gemälde mit dem Titel „Homesick“ – eine eindringliche Visualisierung des unerreichbar scheinenden Ortes der Sehnsucht. Die Ausstellung macht deutlich: Heimat ist kein fixer Punkt, sondern ein Prozess – fragil, wandelbar, neu entwerfbar.
27. Juni bis 4. Oktober 2026, Winkelriedhaus

Pravoslav Sovak, Homesick, 1985–1993, Druckgrafik, aquarelliert © Pravoslav Sovak Stiftung Hergiswil
Augustina Flüeler: Klosterfrau, Künstlerin, Textilunternehmerin
Mit der ersten Ausstellung zu Augustina Flüeler würdigt das Nidwaldner Museum eine prägende Textilkünstlerin des 20. Jahrhunderts. Die 1899 in Stans geborene Ordensfrau trat ins Kloster St. Klara ein und erneuerte von dort aus die kirchliche Paramentik grundlegend. Ihre liturgischen Gewänder verbanden klare, moderne Formensprache mit handwerklicher Präzision. Im Kloster baute sie eine Werkstatt mit Mitarbeiterinnen auf und machte ihre Arbeiten international bekannt. Die Ausstellung präsentiert ihre Textilien erstmals im kunsthistorischen Kontext und stellt sie in Dialog mit Positionen von Erna Schillig, Regina Amstad und Max von Moos. Flüelers Werke beeindrucken bis heute durch ihre Qualität und zeigen eine selbstbewusste Gestalterin, die hinter Klostermauern das Textildesign neu dachte.
7. November 2026 bis 30. Mai 2027, Winkelriedhaus
No time to lose– Von Stubeten, Dancings und Discos
Im Salzmagazin, dem historischen Ursprungshaus des Museums, pulsiert 2026 die Musikgeschichte Nidwaldens. „No Time To Lose“ erzählt von Tanzlokalen, Festivals und legendären Discos wie dem „Happy Day“ oder der „Harissen“, die einst das Innerschweizer Nachtleben prägten. Von der Volksmusik der Jahrhundertwende über mondänen Jazz bis zu Popproduktionen „made in Nidwalden“ beleuchtet die Ausstellung gesellschaftliche Umbrüche, moralische Debatten und technische Innovationen. Höhepunkt ist eine nachgebaute Disco im Stil der 70er- und 80er-Jahre – ein sinnliches Eintauchen in vergangene Klangwelten.
28. März bis 1. November 2026, Salzmagazin

Ausstellungsansicht der Dauerausstellung Ausnahmezustand und Alltag im Berg, Fotografie: Christian Hartmann
Dauerausstellung: Ausnahmezustand und Alltag im Berg
Tief im Fels dokumentiert die ehemalige Militäranlage die Zeit von 1941 bis in die Jahre des Kalten Kriegs. Ein audiovisueller Rundgang führt durch Stollen, Geschützstände und Mannschaftsräume und erzählt vom Alltag der Soldaten im Ausnahmezustand. Persönliche Briefe, originale Ausstattung und Zeitzeugnisse eröffnen einen intimen Blick auf eine Epoche, in der Verteidigungsbereitschaft und Unsicherheit das Leben prägten. Geschichte wird hier nicht abstrakt, sondern körperlich erfahrbar.
28. März bis 1. November 2026, Festung Fürigen
Ob hinter Glas, im Atelier, auf dem Tanzparkett oder im Fels: Das Nidwaldner Museum zeigt 2026 eindrucksvoll, wie vielfältig und lebendig regionale Kultur sein kann – als Spiegel der Vergangenheit und Resonanzraum der Gegenwart.
www.nidwaldner-museum.ch















