Mit „Der Keim“ nach dem gleichnamigen Roman des norwegischen Schriftstellers Tarjei Vesaas bringt das Staatsschauspiel Dresden im Januar 2027 eine düstere Geschichte über Gewalt, Schuld und die Verantwortung einer Gemeinschaft auf die Bühne. Regisseur Sebastian Hartmann widmet sich damit einem Werk eines der bedeutenden skandinavischen Autoren des 20. Jahrhunderts.

Die Geschichte führt auf eine kleine norwegische Insel. Die dort lebende Gemeinschaft scheint zunächst weitgehend von der Außenwelt abgeschottet zu sein. Eines Tages erreicht ein Fremder die Insel. Er ist auf der Suche nach Ruhe, wirkt zugleich jedoch rastlos und von etwas getrieben, das für die Bewohner zunächst kaum greifbar ist.

Die Situation eskaliert, als der Fremde das junge Mädchen Inga, die Tochter des Bauern Li, tötet. Ihr Bruder Rolv will die Tat nicht ungesühnt lassen. Er führt die Dorfgemeinschaft bei der Suche nach dem Täter an – und schließlich töten die Bewohner den Fremden selbst.

Doch mit dessen Tod ist die Gewalt nicht beendet. Nun müssen sich die Menschen mit ihrer eigenen Tat auseinandersetzen. In der Scheune von Ingas Vater kommt die Gemeinschaft zusammen. Aus dem Wunsch nach Vergeltung wird die Frage nach persönlicher und gemeinschaftlicher Schuld und danach, wer bereit ist, Verantwortung für das Geschehene zu übernehmen.

Tarjei Vesaas veröffentlichte seinen Roman 1940. Das Werk entstand vor dem Hintergrund der Besetzung Norwegens durch die deutsche Wehrmacht und verarbeitet die traumatischen Erfahrungen dieser Zeit in einer allegorischen Geschichte. Vesaas richtet den Blick dabei weniger auf äußere Ereignisse als auf die inneren Vorgänge seiner Figuren. Natur, Landschaft und menschliche Wahrnehmung greifen eng ineinander.

Für die Dresdner Bühnenfassung zeichnet Sebastian Hartmann verantwortlich, der mit „Der Keim“ bereits seine zehnte Inszenierung am Staatsschauspiel Dresden erarbeitet. Die Dramaturgie übernimmt Jörg Bochow. Gemeinsam mit dem Spielensemble überträgt Hartmann Vesaas‘ atmosphärisch dichte Vorlage auf die große Bühne des Schauspielhauses und stellt die Frage ins Zentrum, was Gewalt mit einer Gemeinschaft macht – auch dann, wenn diese glaubt, im Namen der Gerechtigkeit zu handeln.
Premiere 30. Januar 
weitere Aufführung: 22. Februar 2027

www.staatsschauspiel-dresden.de