Mit „Innocence“ von Kaija Saariaho bringt die Oper Leipzig im März 2027 eines der eindringlichsten Werke des zeitgenössischen Musiktheaters auf die Bühne. Die fünfte und letzte Oper der 2023 verstorbenen finnischen Komponistin erzählt von den langfristigen Folgen eines Amoklaufs und von einer Vergangenheit, die sich auch Jahre später nicht verdrängen lässt.
Ausgangspunkt der Handlung ist eigentlich ein freudiger Anlass: Stela und Tuomas feiern ihre Hochzeit. Doch während der Feier erfährt die Braut ein Geheimnis, das ihr zukünftiger Ehemann und dessen Familie bislang vor ihr verborgen haben. Tuomas’ Bruder war zehn Jahre zuvor für einen Amoklauf an einer internationalen Schule verantwortlich.
Plötzlich steht nicht mehr die gemeinsame Zukunft des jungen Paares, sondern die Vergangenheit im Zentrum. Erinnerungen an die Tat brechen auf, ehemalige Schülerinnen und Schüler kommen zu Wort und unterschiedliche Perspektiven überlagern einander. Dabei geht es nicht allein um die unmittelbaren Opfer, sondern auch um Angehörige und Überlebende, die mit den Folgen der Gewalt weiterleben müssen.
„Innocence“ sucht dabei bewusst nicht nach einer einfachen Erklärung für das Geschehene. Stattdessen stellt das Werk Fragen nach Schuld und Verantwortung, nach Verdrängung und danach, ob ein traumatisches Ereignis jemals tatsächlich abgeschlossen werden kann. Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander und konfrontieren die Figuren mit Erfahrungen, denen sie lange auszuweichen versucht haben.
Kaija Saariaho schuf mit „Innocence“ ein musikalisches Kammerspiel, in dem unterschiedliche Sprachen, Gesangsformen und musikalische Ebenen aufeinandertreffen. Das Werk wurde 2021 beim Festival d’Aix-en-Provence uraufgeführt und entwickelte sich anschließend zu einer der international viel beachteten zeitgenössischen Opern der vergangenen Jahre.
An der Oper Leipzig übernimmt Elisabeth Stöppler die Inszenierung. Matthias Foremny steht am Pult des Gewandhausorchesters, das Bühnenbild gestaltet Ines Nadler und die Kostüme stammen von Frank Lichtenberg. Olena Tokar ist als Braut Stela zu erleben, Einar Dagur Jónsson als Tuomas. Weitere zentrale Rollen übernehmen unter anderem Ulrike Schneider beziehungsweise Almerija Delic, Heather Phillips und Tuomas Pursio. Gemeinsam mit Chor und Komparserie der Oper Leipzig entsteht ein Musiktheaterabend über Erinnerung, Verantwortung und die Frage, wie Menschen nach einer Katastrophe weiterleben können.
Premiere 6. März
weitere Aufführungen: 14. März, 3. und 24. April sowie 8. Mai 2027

