Am 16. Oktober 2026 eröffnet das brut Wien seine neue Spielzeit mit der Uraufführung von „Waiting for fall“ im studio brut in der Zieglergasse. Gemeinsam mit vier Tänzerinnen, Tänzern, einer Live-Musikerin und einer Videokünstlerin entwickelt Nondlwana eine partizipative Tanzperformance, die Hoffnung als Überlebensstrategie begreift.
Was passiert, wenn eine Welt aus den Fugen gerät? Wenn vertraute Strukturen brüchig werden, politische Spannungen zunehmen und die Zukunft plötzlich weniger selbstverständlich erscheint? Mzamo Nondlwana antwortet darauf nicht mit Rückzug, sondern mit Bewegung. Mit Tanz. Mit Gemeinschaft. Und vor allem mit Freude.
Nondlwana, queere:r und nichtbinäre:r Künstler:in aus Johannesburg, beschäftigt sich in der eigenen künstlerischen Arbeit mit marginalisierten Körpern und mit der Frage, wie sich koloniale Vorstellungen und dominante Erzählungen unterlaufen lassen. In „Waiting for fall“ richtet sich der Blick auf queere und migrantische Perspektiven und auf Erfahrungen von Widerstand, Zusammenhalt und Transformation.
Ausgangspunkt sind unter anderem das Unbehagen rund um die österreichischen Wahlen 2024 und der weltweit beobachtbare Aufschwung rechtsextremer Bewegungen. Doch die Performance bleibt nicht bei der Analyse gesellschaftlicher Entwicklungen stehen. Sie fragt vielmehr: Wie können wir trotz allem Räume schaffen, in denen Gemeinschaft, Selbstermächtigung und Lebensfreude möglich sind?

Mzamo Nondlwana © Edamwen Osakwe
Die Antwort findet Nondlwana im Körper. In Bewegungen, die Erinnerungen tragen. In Tanzformen wie Pantsula aus Südafrika und Samba aus Brasilien. In Humor, Parodie und Überzeichnung. Und in einem Prinzip, das tief in Schwarzen musikalischen, religiösen und gemeinschaftlichen Traditionen verwurzelt ist: Call and Response – ein Wechselspiel zwischen einzelnen Stimmen und der Gemeinschaft.
So entsteht ein Bühnenraum, in dem Performer:innen und Publikum nicht strikt voneinander getrennt bleiben. Sie werden eingeladen, miteinander in Beziehung zu treten, zuzuhören, zu reagieren und gemeinsam eine körperliche Erfahrung entstehen zu lassen. Tanz wird dabei nicht nur betrachtet, sondern erlebt.
„Waiting for fall“ knüpft an Nondlwanas 2024 im brut uraufgeführte Produktion „Turning Point“ an und führt die Auseinandersetzung mit Erinnerung, Körper und Widerstand weiter. Wo gesellschaftliche Systeme ihre Widersprüche offenbaren, setzt die Performance auf etwas scheinbar Einfaches und zugleich Kraftvolles: die Fähigkeit, gemeinsam Freude zu erzeugen.
Denn Freude kann mehr sein als ein Gefühl. Sie kann Verbindung schaffen, Mut geben und einen Raum öffnen, in dem andere Formen des Zusammenlebens vorstellbar werden. Genau dort setzt „Waiting for fall“ an: zwischen Fall und Aufbruch, zwischen Erinnerung und Zukunft, zwischen individuellem Körper und kollektiver Bewegung.Die neue Spielzeit des brut steht unter der künstlerischen Leitung von Tomasz Kireńczuk und widmet sich den Erfahrungen von Ankunft, Abreise, Vertreibung und Transformation. Auch das brut selbst befindet sich in einer Übergangsphase: Bis zur geplanten Eröffnung des neuen House of Performing Arts in der Karl-Farkas-Gasse 16 im Herbst 2027 bespielt das Haus wechselnde temporäre Orte.
„Waiting for fall“ passt damit auf besondere Weise in diese Zeit des Übergangs. Eine Performance über das Aushalten von Veränderung – und über die Möglichkeit, gerade darin etwas Neues entstehen zu lassen.
16. bis 30.Oktober 2026
https://brut-wien.at






