Was geschieht mit der Musik, wenn ein Komponist seine Heimat verlassen muss? Die Brandenburger Symphoniker widmen sich unter Rubén Dubrovsky drei Künstlern, deren Lebenswege von Reisen, Emigration und Exil geprägt wurden. Im Zentrum steht die Gitarristin Eva Beneke mit einem selten zu hörenden Konzert von Mario Castelnuovo-Tedesco.

Kurt Weill, der vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht und die „Dreigroschenoper“ weltberühmt wurde, musste Deutschland nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlassen. Seine zweite Sinfonie entstand in einer Zeit tiefgreifender persönlicher und politischer Umbrüche. Begonnen in Deutschland und 1934 im französischen Exil vollendet, trägt das Werk deutliche Spuren dieser Erfahrung. Leidenschaftliche melodische Linien, scharfe rhythmische Akzente und marschartige Passagen erinnern stellenweise an Weills Theatermusik, während die groß angelegte sinfonische Form eine andere Seite seines Schaffens erkennen lässt.

Auch Mario Castelnuovo-Tedesco wurde durch die antisemitische Verfolgung aus seiner Heimat vertrieben. Der italienische Komponist emigrierte 1939 in die Vereinigten Staaten, wo er unter anderem als Filmkomponist arbeitete. Sein erstes Gitarrenkonzert in D-Dur op. 99 entstand im selben Jahr und gehört heute zu den bedeutenden Werken des klassischen Gitarrenrepertoires. Die Musik bewahrt eine unverkennbar mediterrane Klangsprache, deren lyrische Melodien und tänzerische Rhythmen an die musikalischen Traditionen Italiens und Spaniens erinnern.

Die Solistin Eva Beneke hat sich international als vielseitige Konzertgitarristin etabliert. Ihre Interpretationen zeichnen sich durch eine besondere Aufmerksamkeit für Klangfarben und musikalische Gestaltung aus. Castelnuovo-Tedescos Konzert eröffnet ihr die Möglichkeit, die intime Ausdruckskraft der Gitarre mit der größeren Klangwelt des Sinfonieorchesters zu verbinden. Das Werk entstand aus der engen künstlerischen Beziehung des Komponisten zum spanischen Gitarristen Andrés Segovia, der zahlreiche bedeutende Komponisten dazu inspirierte, das Repertoire seines Instruments zu erweitern.

Einen anderen Blick auf das Thema Heimat bietet Joseph Haydns Sinfonie Nr. 104 in D-Dur, die den Beinamen „Londoner“ trägt. Anders als Weill und Castelnuovo-Tedesco reiste Haydn freiwillig nach England, wo er als gefeierter Komponist große Erfolge erzielte. Seine letzte Sinfonie entstand 1795 und bildet den glanzvollen Abschluss seines sinfonischen Schaffens. Eine markante Einleitung, elegante Themen und ein mitreißendes Finale machen das Werk zu einem der Höhepunkte der Wiener Klassik.

Mit Rubén Dubrovsky am Dirigentenpult entsteht aus diesen unterschiedlichen Lebensgeschichten ein Konzertprogramm, das Musik auch als Ausdruck persönlicher Erfahrungen und historischer Veränderungen begreifbar macht.
12. und 13. Februar 2027

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