Mit zwei großen Einzelausstellungen widmet sich das Bündner Kunstmuseum Chur im Sommer 2026 zwei Künstlerpersönlichkeiten, die das internationale Kunstgeschehen seit Jahrzehnten prägen. Jules Spinatsch und Thomas Hirschhorn eint der kritische Blick auf gesellschaftliche Wirklichkeiten, doch ihre künstlerischen Ausdrucksformen könnten unterschiedlicher kaum sein. Während Spinatsch die Möglichkeiten und Grenzen fotografischer Bildproduktion untersucht, schafft Hirschhorn raumgreifende Installationen, die politische, soziale und philosophische Fragestellungen unmittelbar erfahrbar machen. Gemeinsam eröffnen beide Ausstellungen spannende Perspektiven auf die Gegenwart und zeigen eindrucksvoll, warum das Bündner Kunstmuseum zu den bedeutendsten Kunstinstitutionen der Schweiz zählt.

Mit seiner herausragenden Sammlung zur Bündner Kunst, bedeutenden Positionen der klassischen Moderne und international beachteten Sonderausstellungen hat sich das Bündner Kunstmuseum weit über die Landesgrenzen hinaus einen exzellenten Ruf erarbeitet. Der markante Erweiterungsbau ergänzt den historischen Villa-Teil zu einem architektonisch reizvollen Ensemble und bietet den idealen Rahmen für anspruchsvolle Gegenwartskunst. Die Sommerausstellungen 2026 laden dazu ein, sich auf zwei intensive künstlerische Welten einzulassen, die unsere Wahrnehmung herausfordern und zugleich neue Denk- und Erfahrungsräume eröffnen.

Jules Spinatsch. 1964 – 2155

Seit mehr als drei Jahrzehnten beschäftigt sich Jules Spinatsch mit den Bedingungen fotografischer Wirklichkeit. Seine Arbeiten entstehen an Orten gesellschaftlicher Verdichtung – vom Wiener Opernball über das Weltwirtschaftsforum in Davos bis hin zu Atomkraftwerken, Gefängnissen, Wintersportveranstaltungen oder den geothermischen Landschaften Islands. Ausgangspunkt ist stets die dokumentarische Beobachtung dessen, „was ist“, doch Spinatsch geht weit über die klassische Reportagefotografie hinaus.
Fotografie versteht er als analytisches Instrument, das Fragen nach Macht, Kontrolle, Überwachung und medialer Konstruktion sichtbar macht. Dabei kombiniert er eigene Aufnahmen mit gefundenem Bildmaterial und entwickelt daraus komplexe Bildserien, Installationen, Publikationen und Videoarbeiten. Halbautomatische Aufnahmeverfahren, digitale Prozesse und konzeptionelle Eingriffe verschieben die Grenzen zwischen Zufall und Kontrolle ebenso wie jene zwischen Autorenschaft und algorithmischer Bildproduktion.
Für das Bündner Kunstmuseum entwickelt Spinatsch eine eigens konzipierte Präsentation mit neuer Raumdramaturgie. Sie eröffnet einen vielschichtigen Parcours durch sein Werk und lädt die Besucherinnen und Besucher dazu ein, die Mechanismen fotografischer Wahrnehmung kritisch zu hinterfragen. Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie aktuell Spinatschs Auseinandersetzung mit Bildern in einer zunehmend digitalisierten Welt geworden ist.
22. August bis 15. November 2026

Thomas Hirschhorn in seinem Atelier in Paris mit der Arbeit My Atlas, 2025Foto: Bündner Kunstmuseum

Thomas Hirschhorn in seinem Atelier in Paris mit der Arbeit My Atlas, 2025, Foto: Bündner Kunstmuseum

Thomas Hirschhorn. My Atlas
Mit „My Atlas“ präsentiert das Bündner Kunstmuseum erstmals einen umfassenden Überblick über das Schaffen von Thomas Hirschhorn, einem der international einflussreichsten Schweizer Gegenwartskünstler. Der in Bern geborene und in Davos aufgewachsene Künstler lebt seit 1984 in Paris und zählt mit seinen monumentalen Installationen seit den 1990er-Jahren zu den prägenden Stimmen der politischen Konzeptkunst.
Ausgangspunkt der Ausstellung ist das 2025 entstandene Werk „My Atlas“, das sich auf Aby Warburgs legendären „Mnemosyne Atlas“ bezieht. Hirschhorn entwickelt daraus eine sehr persönliche Kartografie seines eigenen Schaffens und verknüpft Werke aus über vier Jahrzehnten miteinander. Sichtbar werden künstlerische Entwicklungen ebenso wie philosophische, soziale und politische Bezüge, die sein Werk bis heute bestimmen.
Typisch für Hirschhorn ist der Einsatz alltäglicher Materialien wie Karton, Klebeband, Aluminiumfolie oder Kunststoff. Daraus entstehen komplexe Installationen von großer inhaltlicher Dichte, die gesellschaftliche Machtstrukturen, Konsum, Krieg, Medien und Verantwortung thematisieren. Seine Arbeiten verstehen sich nicht als fertige Antworten, sondern als offene Denkangebote, die das Publikum aktiv einbeziehen.
Die von Stephan Kunz kuratierte Ausstellung eröffnet einen faszinierenden Zugang zu einem Werk, das sich konsequent gegen Vereinfachung stellt und Kunst als Ort demokratischen Denkens begreift. Gemeinsam mit der Ausstellung von Jules Spinatsch entsteht so ein außergewöhnlicher Dialog zweier Schweizer Künstler, deren Arbeiten auf sehr unterschiedliche Weise unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit hinterfragen und die Sommerausstellungen 2026 im Bündner Kunstmuseum zu einem Höhepunkt des internationalen Kunstjahres machen.
22. August bis 6. Dezember 2026

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