Das Diözesanmuseum Freising auf dem Domberg hat sich seit seiner Wiedereröffnung 2022 zu einem der spannendsten Orte kultureller Begegnung in Bayern entwickelt. Es versteht sich nicht nur als Schatzhaus kirchlicher Kunst, sondern als Forum, in dem Geschichte, Glaube und Gegenwart in Resonanz treten. Mit seinen rund 50.000 Objekten – von frühchristlicher Kunst über barocke Pracht bis zu zeitgenössischen Positionen – verbindet das Museum Traditionsbewusstsein mit der Offenheit für aktuelle Fragen nach Sinn, Schönheit und Identität.
Die drei großen Ausstellungen des kommenden Herbstes zeigen exemplarisch, wie vielschichtig dieser Dialog geführt wird: von der göttlichen Ordnung der Renaissance über barocke Welterfassung bis hin zu zeitgenössischer Kosmologie in der Malerei.
Mit dieser Trias aus Renaissance, Barock und zeitgenössischer Kunst gelingt dem Diözesanmuseum Freising ein seltenes Gleichgewicht: Es blickt zurück, ohne zu erstarren – und öffnet zugleich den Raum für neue spirituelle und ästhetische Erfahrungen. Zwischen Glauben und Wissen, Erde und Kosmos, Vergangenheit und Zukunft wird Kunst hier zum Medium der Verbindung.
Der Domberg, einst Symbol kirchlicher Macht, wird so zum Ort des Dialogs – zwischen Zeiten, Disziplinen und Menschen.
GÖTTLICH! Meisterwerke der italienischen Renaissance
Mit der Schau „Göttlich!“ widmet sich das Diözesanmuseum Freising der vielleicht folgenreichsten Umbruchzeit Europas: der Renaissance. In 65 Meisterwerken von Botticelli, Bellini, Lippi oder Mantegna entfaltet sich der Moment, in dem der Mensch sich neu zwischen Himmel und Erde verortet. Der Blick, der zuvor dem Transzendenten galt, richtet sich auf das Diesseits – und entdeckt im Irdischen das Göttliche.
Die Ausstellung zeigt, wie Malerei zum Medium einer geistigen Revolution wurde: Wie Perspektive, Körperlichkeit und Emotion zu Trägern einer neuen Erkenntnis des Selbst wurden. Kardinal Reinhard Marx betont im Katalog die Parallele zur Gegenwart – einer Zeit, in der Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Informationsflut unsere Wahrnehmung erneut transformieren. Wie damals steht auch heute die Frage im Raum: Was bleibt vom Menschenbild, wenn seine Grenzen sich auflösen?
„Göttlich!“ lädt dazu ein, diese Frage durch die Augen der großen Renaissancekünstler zu betrachten – und sich selbst im Spiegel ihrer Werke zu erkennen.
20. September 2025 bis 11. Januar 2026

Andrea Mantegna (Isola di Carturo 1431 – Mantua 1506), Der Erlöser, Correggio, 1493, Tempera auf Leinwand, Correggio, Museo “Il Correggio” © Proprietà del Comune di Correggio (RE)
Fenster in die Landschaft – Die Ansichten des Valentin Gappnigg
Eine völlig andere, aber ebenso faszinierende Perspektive auf das Verhältnis von Welt und Wahrnehmung eröffnet die Ausstellung „Fenster in die Landschaft“, die den barocken Vedutenmaler Valentin Gappnigg würdigt. Zwischen 1696 und 1702 schuf er im Auftrag Fürstbischof Johann Franz Eckhers 32 Ansichten des Hochstifts Freising – feine Temperabilder, die die Orte des Bistums in ihrer topographischen Genauigkeit und poetischen Anmut festhalten.
Diese Gemälde, einst im Fürstengang zwischen Residenz und Mariendom angebracht, waren mehr als bloße Zierde: Sie formten ein visuelles Gedächtnis Freisings, Ausdruck bischöflicher Macht ebenso wie einer frühen Liebe zur Landschaft.
Heute, über drei Jahrhunderte später, erscheinen sie als kostbare Zeugnisse einer Epoche, in der Kunst und Kartografie, Macht und Kontemplation untrennbar verwoben waren.
20. September 2025 bis 11. Januar 2026

Waidhofen an der Ybbs, Gouache auf Papier, auf Leinwand aufgezogen, Freising, Diözesanmuseum © Diözesanmuseum Freising, Foto Walter Bayer
Judith Milberg – Imagine all the Pieces
Mit der Ausstellung „Imagine all the Pieces“ schlägt das Museum den Bogen in die Gegenwart – und zugleich in den Ursprung allen Seins. Die Münchner Künstlerin Judith Milberg nimmt den Betrachter mit auf eine Reise durch Zeit und Materie, inspiriert von Naturwissenschaft, Philosophie und Mythos. In ihren großformatigen Arbeiten aus pigmentierter Tusche und Pastell auf Holz begegnen sich Mikrokosmos und Makrokosmos, Urknall und Zellteilung, Werden und Vergehen.
Ihre Bilder leuchten aus der Tiefe wie organische Energiefelder – vibrierend, körperlich, zugleich von einer meditativen Ruhe durchzogen. Milberg begreift Malerei als eine Form des Staunens, als Versuch, den unendlichen Zusammenhang der Dinge sichtbar zu machen. Werke wie Golden Origin, Excavation oder Beyond Species spiegeln eine existentielle Neugier, die in Zeiten globaler Krisen tröstlich wirkt: Alles ist Teil eines größeren Ganzen.
20. September 2025 bis 11. Januar 2026
www.dimu-freising.de

Judith Milberg, xcavation II © Diözesanmuseum Freising, Foto Thomas Dashuber







