Ein Gedicht wird zur Welt – und die Bühne zum Klangraum einer poetischen Vermessung des Daseins. Thom Luz verwandelt Inger Christensens „alphabet“ in ein musikalisches Theatererlebnis zwischen Staunen, Melancholie und leiser, humorvoller Schönheit.

Mit „alphabet“ beginnt Inger Christensen eine spielerische, zugleich tief existenzielle Neuvermessung der Wirklichkeit. Was als einfache Liste von Dingen und Wahrnehmungen beginnt – Aprikosenbäume, Brombeeren, Chromstahl, Dunst –, entfaltet sich zu einem poetischen Versuch, die Welt neu zu benennen und zu ordnen. Alphabetisch angeordnet und zugleich streng der Fibonacci-Reihe folgend, entsteht ein sprachmagisches Gefüge, in dem Naturwunder, Alltagsbeobachtungen und Katastrophenszenarien dicht nebeneinanderstehen. Schönheit und Bedrohung, Wissen und Zweifel, Anfang und Ende – all das verschränkt sich zu einem eindringlichen Bild unserer fragilen Existenz.

Diese Spannung macht Thom Luz zum Herzstück seiner Bühnenadaption. Der Schweizer Regisseur, bekannt für seine atmosphärisch dichten, musikalisch durchzogenen Theaterarbeiten, verwandelt Christensens Jahrhundertgedicht in ein flirrendes, traumhaftes Klangtheater. Musikerinnen und Musiker, Stimmen und Geräusche verschmelzen zu einem fein nuancierten Gewebe, in dem Worte schweben, vergehen, wieder auftauchen – wie Fragmente einer Welt, die sich ständig neu ordnet.

„alphabet“ wird so zu einer poetischen Reise durch die Fragen, die uns Menschen seit jeher begleiten: Wie lassen sich Leben, Natur und Erfahrung beschreiben? Welche Rolle spielt der Mensch inmitten eines Systems, das größer ist als er selbst? Und was geschieht, wenn Ordnung plötzlich bricht, wenn die Stille einsetzt, wenn Sprache an ihre Grenzen stößt? Mit dieser Inszenierung kehrt Thom Luz ans SchauSpielHaus zurück und entwirft ein Theaterbild, das verspielt und traurig zugleich ist – zart, rätselhaft, voller Humor und von einer stillen Schönheit, die lange nachhallt.
Uraufführung 6. März
weitere Aufführungen: 12. und 25. März, 12. und 25. April, 12. Mai, 5. Juni 2026

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