Insgesamt 10 Uraufführungen sowie einige weitere Premieren stehen auf dem Plan der Saison 2021/22. Hier ein paar der Premieren-Highlights:

Der Geheimagent von Joseph Conrad
Ein internationales Gipfeltreffen führender Politiker soll stattfinden. Die Geheimdienste kämpfen gegen terroristische Angriffe überall in Europa, aber sie bekämpfen sich auch untereinander: So erscheint die englische Gesetzgebung einem ausländischen Geheimdienst viel zu liberal. Was tun? Man beauftragt einen Agent Provocateur damit, ein Bombenattentat in London durchzuführen. Im Schock werden die Briten ihre Gesetze verschärfen, so das Kalkül. Was wie eine Vision aus dem 21. Jahrhundert klingt, liegt der Handlung eines Romans zugrunde, den Joseph Conrad 1907 veröffentlicht.
„Der Geheimagent” ist Adolf Verloc, der mit seiner Frau Winnie und ihrem geistig behinderten Bruder Stevie einen schmuddeligen Laden im Londoner Stadtteil Soho betreibt. Verloc führt ein Doppelleben: Er spioniert als Spitzel der britischen Polizei, aber auch einer ausländischen Botschaft anarchistische Kreise aus. Eines Tages bekommt er seitens der Botschaft den Auftrag, einen fingierten Terroranschlag auf die Sternwarte von Greenwich auszuführen. “Der Geheimagent” ist ein knallharter Politikkrimi um die Täuschungen und Selbsttäuschungen aller beteiligten Figuren. Seinem schonungslosen Blick auf private und ideologische Abgründe gewinnt Joseph Conrad auch zahlreiche komische Momente ab, denn die Figuren verstehen sich nicht oder sie verstehen sich falsch, sei es aus Ignoranz, Borniertheit oder Naivität.
Premiere am 12. November 2021
weitere Aufführungen am 5. und 19. Dezember 2021 sowie am 2. und 29. Januar 2022

Die Ruhe eine Performance-Installation von Signa
In der ehemaligen Post- und Paketzentrale von Altona öffnet ein neuartiges Regenerationszentrum. Ziel ist eine umfassende Erholung von Trauma, Erschöpfung und Verwirrung, die nicht nur Menschen, sondern alle Lebewesen betreffen. Der Kuraufenthalt bereitet sie auf ihren endgültigen Umzug in einen dichten Wald vor, um dort neu erlernte Verhaltensmuster und Lebensformen zu erproben.
Das Regenerationszentrum befindet sich derzeit in der Versuchsphase und bietet einen fünfstündigen Aufenthalt für geneigte Klient*innen.
Uraufführung am 19. November 2021
weitere Aufführungen am 24., 25., 26., 27. und 28. November 2021, 1., 2., 3., 4., 5., 8., 9., 10, 11., 12., 15., 16., 17., 18. und 19. Dezember 2021 sowie am 5., 6., 7., 8., 9., 12., 13,. 14. und 15. Januar 2022

Die Ruhe © Erich Goldmann

Die Ruhe © Erich Goldmann

 33 Versionen auf Haydns Schädel von Péter Esterházy
Er wurde auch gerne „Papa“ genannt. Joseph Haydn schrieb über dreißig Jahre lang unermüdlich Symphonien und Streichquartette am Hof des ungarischen Fürsten Esterházy. Doch so recht zum Star wollte es der „Vater“ der Wiener Klassik nie bringen in der österreichisch-ungarischen Provinzgemeinde Eisenstadt. Erst mit einem Geburtstagsständchen für den Kaiser Franz im Burgtheater Wien landete er seinen wahren Welt-Hit.
Das kleine Liedchen kennt heute jedes Kind, es wurde bald nach Haydns Tod zur deutschen Nationalhymne erkoren. Da verwundert es nicht weiter, dass schon in der Begräbnisnacht der Kopf des Komponisten von glühenden Anhänger*innen der Wiener Schädellehre aus dem Grab geraubt und auf den Sitz des musikalischen Genies vermessen wurde. Nachdem das Künstlerhaupt durch viele anatomisch versierte Verehrerhände gewandert war, landete es schließlich bei der Gesellschaft der Musikfreunde Wiens und konnte dort 30 Jahre lang in der hauseigenen Ausstellung bewundert werden. Endlich fand der Schädel 1954 im fürstlichen Mausoleum der Familie Esterházy (zusammen mit den übrigen Relikten des Komponisten) seine letzte Ruhe.
Premiere am 26. November 2021
weiter Aufführungen am 29. November 2021 sowie am 3., 4. und 5. Januar 2022

Quai West von Bernard-Marie Koltès
In einem verfallenen Viertel einer großen westlichen Hafenstadt, das vom Stadtzentrum durch einen Fluss getrennt ist, gibt es einen dunklen Ort, vielleicht einen großen, leeren Hangar, der Unterschlupf ist für Obdachlose, für Süchtige und Dealer. Ein äußerst merkwürdiger Ort für alle denkbaren Abrechnungen, vor allem aber ein Ort, an dem aus unerfindlichen Gründen niemals Polizei auftaucht und den man auf mysteriöse Weise verwahrlosen lässt, wie eine vergessene Ecke in einem Garten, wo die Pflanzen sich anders entwickeln, wo die normale Ordnung nicht existiert, dafür aber eine seltsam andere. Hierher kommt Maurice Koch, ein Bankier, der Millionen  veruntreut hat, begleitet von seiner Mitarbeiterin Monique, um Selbstmord zu begehen.
Premiere am 22. Dezember 2021

Quai West © Matthias Horn

Quai West © Matthias Horn

Geschichten aus dem Wienerwald von Ödön von Horváth
Marianne sucht nach einer Rolle für sich in ihrem Leben. Wie andere Frauenfiguren Horváths lebt sie in scheußlichen Abhängigkeiten. „Papa sagt immer, die finanzielle Unabhängigkeit der Frau vom Mann ist der letzte Schritt zum Bolschewismus.“ Aber Marianne kämpft gegen ihre arrangierte Verlobung und versucht zu tun, was ihrem Gefühl entspricht, sich aus dem Konstrukt zu befreien, das ihr Vater, genannt der „Zauberkönig“, und ihr Bräutigam Oskar, ein Metzger, aufgerichtet haben. „Jetzt bricht der Sklave seine Fessel“, darf Marianne von sich selbst sagen, für einen Moment. Lange vor 1968 und #MeToo fällt 1929 der Satz: „Mein Körper gehört mir“. Zu Recht gilt das Stück als Schlüsselwerk des modernen Dramas.
Premiere am 27. Januar 2022
weitere Aufführungen am 30. Januar 2022 und am 9. Februar 2022

Die Freiheit einer Frau nach dem Buch von Édouard Louis
Sie schien verschwunden. Nun ist sie zurück, die soziale Klasse. Doch bevor dieser nostalgisch anmutende Begriff auch in Deutschland wieder entstaubt wurde, entdeckten französische Intellektuelle und Soziologen wie Édouard Louis, Didier Eribon, Geoffroy de Lagasnerie das Phänomen der Klasse wieder neu. Bereits in seinem Debüt »Das Ende von Eddy« erzählt der Shootingstar der französischen Literaturszene, Édouard Louis, der im Arbeitermilieu in der französischen Provinz aufwuchs, basierend auf seiner eigenen Lebensgeschichte von alltäglicher Gewalt, sozialer Ungerechtigkeit und Ausgrenzung.
Premiere am 5. März 2022

www.schauspielhaus.de