Wie unterschiedlich kann der Blick auf die Welt sein? Die Ausstellung „Zwei Augenpaare“ im Ernst Leitz Museum Wetzlar bringt die fotografischen Arbeiten von Donata und Wim Wenders erstmals in einen gemeinsamen Dialog und eröffnet faszinierende Perspektiven auf Wahrnehmung, Erinnerung und das Erzählen mit Bildern.

Obwohl beide Künstler die Fotografie als Ausdrucksform teilen, könnten ihre Bildwelten kaum unterschiedlicher erscheinen. Wim Wenders, international bekannt als Regisseur von Filmen wie „Paris, Texas“, „Der Himmel über Berlin“ oder „Perfect Days“, richtet seinen Blick häufig auf Landschaften, Architektur und Orte voller Geschichten. Seine großformatigen Fotografien zeichnen sich durch intensive Farben, klare Kompositionen und eine besondere Ruhe aus. Oft sind keine Menschen zu sehen – und doch erzählen die Bilder vom Leben, von Zeit und von den Spuren menschlicher Existenz.

Donata Wenders hingegen arbeitet vorwiegend in Schwarzweiß und rückt Menschen in den Mittelpunkt ihrer Fotografien. Licht und Schatten, Unschärfen, Bewegungen und experimentelle Techniken wie Doppel- oder Langzeitbelichtungen verleihen ihren Werken eine poetische, beinahe traumhafte Atmosphäre. Porträts von Persönlichkeiten wie Pina Bausch oder Paul Auster stehen dabei neben geheimnisvollen Bildkompositionen, in denen Figuren zu schemenhaften Erscheinungen werden.

Im Zusammenspiel der beiden Positionen entsteht ein spannender Dialog zwischen Weite und Intimität, zwischen filmischer Erzählkraft und fotografischer Verdichtung. Ergänzt wird die Ausstellung durch ein eigens produziertes Interview, das Einblicke in die Arbeitsweisen und Gedankenwelten des Künstlerpaars ermöglicht.

„Zwei Augenpaare“ zeigt nicht nur zwei eigenständige fotografische Handschriften, sondern auch die vielen Möglichkeiten, die Welt durch Bilder zu betrachten – aufmerksam, poetisch und stets voller Geschichten.
11. Juni bis 20. September 2026

leicawelt.com