Das Gerhard-Marcks-Haus in Bremen ist ein Museum für moderne und zeitgenössische Bildhauerei. Es zählt zu den national und international anerkannten Bildhauermuseen.Hier befindet sich der überwiegende Teil des Nachlasses des Bildhauers und Grafikers Gerhard Marcks aus Berlin.
Gezeigt werden in Sonderausstellungen nicht nur Klassiker wie Moore, Maillol oder Giacometti, sondern auch jüngere Künstler, die beweisen, dass Skulptur ein lebendiges Medium ist.

Lebenswerk von Gerhard Marcks
Den Grundstein dafür legte im Jahr 1969 einer der wichtigsten deutschen Bildhauer des 20. Jahrhunderts: Gerhard Marcks (1889 -1981). Die Stiftung bewahrt sein Lebenswerk. Nicht weniger als 400 Skulpturen, über 12.000 Handzeichnungen und mehr als 1.200 Blätter Druckgrafik bilden den Kern des gegenwärtigen Sammlungsbestands des Museums, der in den letzten Jahren durch weitere Erwerbungen, unter anderem den Nachlass des Berliner Bildhauers Waldemar Grzimek (1918-1984), bereichert wurde. Grzimek, der zur nachfolgenden Bildhauergeneration zählt, verbindet die figürliche Bildhauerei in Ost- und Westdeutschland.

Elisabeth Frink, Seated Man II, 1986, Bronze bemalt, dem Yorkshire Sculpture Park auf Wunsch von Lin Jammet, dem verstorbenen Sohn der Künstlerin, gestiftet; Elisabeth Frink, Large Dog, 1986, Bronze, Freundliche Leihgabe von Dorset County, Hospital Charity; Elisabeth Frink, Running Man, 1986, Bronze, Victoria Gallery & Museum, University of Liverpool

Elisabeth Frink, Seated Man II, 1986, Bronze bemalt, dem Yorkshire Sculpture Park auf Wunsch von Lin Jammet, dem verstorbenen Sohn der Künstlerin, gestiftet; Elisabeth Frink, Large Dog, 1986, Bronze, Freundliche Leihgabe von Dorset County, Hospital Charity; Elisabeth Frink, Running Man, 1986, Bronze, Victoria Gallery & Museum, University of Liverpool

Sonderausstellung Elisabeth Frink. Man is an Animal
Bis 4. Juli 2021  zeigen wir eine monografische Ausstellung zum Werk der englischen Bildhauerin Dame Elisabeth Frink (1930-1993). In England gehört sie zum Kanon der modernen Bildhauerei, auf dem europäischen Festland ist sie jedoch nahezu unbekannt. Unsere Ausstellung ist die erste umfängliche Einzelausstellung zu ihrem Werk in einem europäischen Museum außerhalb Großbritanniens. Als Kooperationspartner und Folgestation konnten wir das Museum Beelden aan Zee in Den Haag gewinnen.
Die geplante Ausstellung hat nicht den Anspruch einer Retrospektive, sondern sie möchte mit einer gezielten Werkauswahl die Neugierde an einem bildhauerischen Werk wecken. Der Fokus liegt dabei auf den Männerdarstellungen von Frink, die ihr OEuvre neben Tierplastiken ab 1954 dominieren und in dieser Dominanz einzigartig sind. Frink hat mehrmals ihre ambivalente Beziehung zum Faszinosum „Mann“ beschrieben. Körperlicher Anziehung stehen abstoßende Eitelkeit und Gewalt bis zur Selbstzerstörung gegenüber.
bis 4. Juli 2021

 

Stefan Tümpel
Stühle mit Haltung
Manchmal scheint es, als wäre die Bildhauerei eine Kunstform „zwischen den Stühlen”. Sie ist geformtes Objekt und Bild zugleich und von Werk zu Werk verschieben sich die Verhältnisse.
Manchmal scheint es, als wäre die Bildhauerei eine Kunstform „zwischen den Stühlen”. Sie ist geformtes Objekt und Bild zugleich und von Werk zu Werk verschieben sich die Verhältnisse. Wann wird zum Beispiel Design zu Bildhauerei? Wenn es unbrauchbar wird, oder kommen andere Aspekte ins Spiel? Stefan Tümpel (geb. 1945) schuf Entwürfe für Stühle, auf denen man nicht sitzen kann, aber sie zeigen, dass diese Stühle ganz andere Botschaften in sich tragen. Sie agieren im Raum und daraus entwickelte Tümpel sogenannte „Ikonen” mit eigenwilligem Charakter. Es entsteht eine Art Körpersprache der Stühle, die Assoziationen zu menschlichen Erfahrungen in der Kommunikation und im Miteinander erzeugen. Seine Stühle stehen oftmals für eine unbequeme, unangenehme und unsichere Situation, wie zum Beispiel während der Finanzkrise oder heute in der Corona-Pandemie.
bis 4. Juli 2021

Suse Itzel und Gesa Lange
„Tela”
Der Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses wird sich in einen Denkraum zur Architektur verwandeln. Dazu haben die Künstlerinnen Suse Itzel (geb. 1984) und Gesa Lange (geb. 1972) eine Rauminstallation geschaffen, deren Wandflächen und Bauteile ein neues Raumgefüge schaffen.
Der Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses wird sich in einen Denkraum zur Architektur verwandeln. Dazu haben die Künstlerinnen Suse Itzel (geb. 1984) und Gesa Lange (geb. 1972) eine Rauminstallation geschaffen, deren Wandflächen und Bauteile ein neues Raumgefüge schaffen. Ausgehend von Raumvolumen und Innenform des Gebäudes werden die beiden eine Stahlkonstruktion als Raum im Raum bauen. Die Struktur der Decke, die aus den zwei ineinander geschobenen Dächern des Pavillons entsteht, und die unregelmäßige Anordnung seiner Fenster werden – in verkleinertem Maßstab – in das Stahlgerüst übertragen. Die Konstruktion ist architektonischer Einbau, Objekt und Raumzeichnung zugleich. Die Kanten des realen Pavilloninnenraums werden durch dunkle Linien betont und verstärken den Eindruck einer räumlichen, mehrdimensionalen Zeichnung.
Bis 4. Juli 2021

Ruud Kuijer, Ohne Titel, 1997, Stahl und Beton © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Ruud Kuijer, Ohne Titel, 1997, Stahl und Beton
© VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Bildhauerei! Was sonst? Ruud Kuijer
Der Bildhauer Ruud Kuijer (geboren 1959) ist bekannt für seine abstrakten Skulpturen aus gewöhnlichen Materialien wie Holz, Beton, Stein und Stahl.
In den Skulpturen des Bildhauers Ruud Kuijer (geboren 1959) geht es um Körperlichkeit und Abstraktion, um Masse und Volumen, um physische Präsenz und Materialität, um Schwerkraft und das Verhältnis zum Boden. Der Künstler interessiert sich für die Traditionen der Bildhauerei (Gewicht, Material und Bewegung im Raum), aber er hat den ständigen Wunsch, Grenzen zu überschreiten und neue Kombinationen zu finden. Sein Ziel: zum Kern dessen, was Skulptur ist, zu gelangen.
Kuijer arbeitet mit Fundstücken und Industrie- und Baumaterialien, entwickelt seine plastischen Konstellationen im direkten Umgang mit dem Material, das mal Holz, mal Stahl, mal Beton sein kann – und natürlich in abstrakter Form. Er ist als Bildhauer für seine großen und kleinen Betonskulpturen bekannt geworden. Er integriert Alltagsgegenstände wie Eimer oder Kinderbecken in seine monumentalen Arbeiten und verwendet für kleine Bilder viel Einwegmaterial wie Hamburger oder Shampooflaschen aus Kunststoff.
Der Bildhauer arbeitet intuitiv und fühlt und bewegt sich mit den Teilen, bis das Ganze überraschend und ausgeglichen ist. Trotz des hohen Gewichts der Skulpturen wirken sie leicht und verspielt. Die Arbeiten sind offen und assoziativ und vermeiden eine tiefere gesellschaftskritische Anklage. Er überlässt die Interpretation dem Betrachter. Das Gerhard-Marcks-Haus zeigt die erste Retrospektive in Deutschland.
25. Juli bis 24. Oktober 2021

www.marcks.de