Jan Erbelding ist Autor, Fotograf und Objektkünstler. Seine meist textbasierte künstlerische Praxis vermittelt sich durch Performances, Rauminstallationen und eigene Publikationen. Persönliche Erfahrungen und Ideen verbindet Erbelding mit historischen Fakten und Figuren, literarischen Referenzen sowie gesellschaftspolitischen Kommentaren zu poetischen Erzählungen.

Für das Haus der Kunst verfasste der Münchner Künstler eine neue Textarbeit, die sich um das Leben und Wirken der französischen Philosophin Simone Weil dreht. Gesprochene Fragmente des Textes sind in dieser raumfassenden Installation über Lautsprecher zu hören und stehen im Dialog mit dem gedruckten Text, der in einem Bücherregal aufbewahrt wird. In der poetischen wie narrativen Installation Still No Guides (2022) werden die Besucher einem Zusammenspiel verschiedener Wahrnehmungsebenen ausgesetzt, von Hören, Sehen, Fühlen und Lesen. Besucher werden dazu eingeladen, Innezuhalten und sich in das von Jan Erbelding erzählte Leben und Werk von Simone Weil einzufühlen.

„Nicht verstehen können, was sich so oft entzieht und was fasziniert und die ganze Zeit, bis zum Bruch und auch nach dem Bruch, der kein wirklicher Bruch sein wird, noch immer eigentlich. Dem erstmal freundlich begegnen, neugierig. Verstehen wollen, beobachten wollen, spüren wollen was Sprache macht, welcher Weltentwurf entsteht, was sich anderes aufbaut. Im Denken die eigenen Grenzen spüren, tasten. Fühler:in. Diese Grenze einfach versetzen. Was nicht gedacht werden kann oder nur noch nicht gedacht werden kann.

Dafür die Aufmerksamkeit aufbringen. Sich aufs Unbekannte hin öffnen, auf die Leere. Sich einfach drüber-raus katapultieren, schreibend, denkend träumend. Oder Musik. Singen. Tanzen. Oder was auch immer. Pflanzen. Substanzen. Atmen. Schlafen. Malen. In der Wahrheit leben wollen und ganz in der Welt sein. Konkrete Arbeit an Realität. Drüberraussteigen wollen. Inkonsistenzen. Still no guides. Selber Welt werden. Eine Sprache suchend finden vielleicht, für das Unbekannte vielleicht, das noch nicht gedachte vielleicht, die Utopie.“
10. Juni bis 31. Dezember 2022

hausderkunst.de