Das Theater Koblenz unweit des Kurfürstlichen Schlosses ist der einzige erhaltene klassizistische Theaterbau am Mittelrhein und das früheste erhaltene Beispiel eines Rangtheaters in Deutschland (im Gegensatz zum früheren Logentheater). Das Theater wurde 1787 im Auftrag des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen in nur siebenmonatiger Bauzeit nach Plänen durch den jungen Düsseldorfer Architekten Peter Joseph Krahé in frühklassizistischem Stil errichtet.
Heute vereint das Theater Koblenz eigene Ensembles für Schauspiel, Musiktheater, Ballett und Puppentheater. Das Repertoire umfasst Oper, Musical, Schauspiel, Ballett, Puppentheater sowie Kinder- und Jugendtheater aus allen Epochen und Genres. Der Spielplan mit 25 Premieren bietet einen atemberaubenden Streifzug durch die Theatergeschichte: von der antiken Tragödie über die Barockoper bis zur Uraufführung und Projekten des Musiktheaters für junge Menschen ist das Spektrum gefasst. Daneben bietet das Theater Lesungen, Matineen, eine Late-Night-Reihe, Werkeinführungen, Publikumsgespräche, theaterpädagogische Angebote und Führungen hinter die Kulissen. Der Jugendclub sowie eine Gruppe spielbegeisterter erwachsener Amateurspieler ergänzen das Programm.

Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute
Schauspiel von Jens Raschke
Ein kleiner Zoo vor vielen Jahren mit genügend Platz für Mama und Papa Pavian, für Herrn und Frau Mufflon, für das Murmeltiermädchen und weitere Zoobewohner – und für den Bären. Dieser wird neu eingeliefert und stellt prompt unangenehme Fragen, die die anderen gar nicht hören möchten: Über die merkwürdigen Zebrawesen auf der anderen Seite des Zauns zum Beispiel, oder über den üblen Gestank. Der Bär bringt fragend die gewohnte Ordnung im Zoo durcheinander. Trotz des Ärgers einiger Zoobewohner lässt er aber nicht locker. Er muss wissen, was Unerklärliches auf der anderen Seite des Zauns und direkt neben dem Zoo vor sich geht. Was genau war es, das das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute?
Direkt neben dem Konzentrationslager Buchenwald gab es einen Zoo, der heutzutage wieder zugänglich ist. In diesem Zoo und mit seinen Bewohnern als Parabel auf unsere Gesellschaft blickt der Zuschauer durch die Augen der Tiere auf die menschenverachtenden Geschehnisse unserer Vergangenheit. Mit außergewöhnlichem Geschick und Feingefühl verfasst Jens Raschke einen Vorschlag in der Frage, ob und wie Kindern die Aufklärung über eine grausame Wirklichkeit zugemutet werden kann – und findet hierfür einen fesselnden, sensiblen und humorvollen Weg.
Wiederaufnahme Frühjahr 2021

The last ship
Buch von John Logan und Brian Yorkey
Musik und Liedtexte von Sting
Deutsche Erstaufführung
Inspiriert von seiner eigenen Biografie erzählt Sting vom Leben der hart arbeitenden Werftarbeiter im englischen Newcastle und von ihrem Kampf gegen die Schließung der Werft, die ihrer Region lange Zeit das Überleben sicherte.
Als Gideon nach siebzehn Jahren in seine Heimatstadt zurückkehrt, sieht er seine Erwartungen an einen herzlichen Empfang nicht erfüllt. Weder hat seine Jugendliebe Meg auf ihn gewartet, noch kann er in die Fußstapfen seines Vaters als Werftarbeiter treten. Denn die Inhaber der Schiffswerft sehen sich mit der bevorstehenden Schließung konfrontiert, nachdem sich die Regierung gegen eine Rettungsaktion entscheidet. Um dem entgegenzuwirken, müssen Gideon und die Arbeiter selbst die Kontrolle über ihr Schicksal übernehmen. In der Annäherung an Meg lernt Gideon schließlich seine ihm bis dahin unbekannte Tochter kennen. Wie einst auch Sting will die Tochter in jungen Jahren ihr Zuhause verlassen, um in London Karriere als Musikerin zu machen. Die Werftarbeiter, wissend, dass ihr Arbeitsplatz verloren ist, bauen das letzte Schiff fertig – gegen jeden Widerstand des Inhabers und der Regierung.
März 2021

Schnitzlers Erbe
Schauspiel von Stefan Wipplinger
Sieben Darstellerinnen teilen sich eine kleine, intime Bühne in einem kleinen, intimen Kinoraum. Das ursprünglich für diese Voraussetzungen gedachte Stück ist aufgrund der (niemand weiß wie lange noch) geltenden Hygieneregeln undurchführbar. Aber die Frage, ob dann überhaupt gespielt werden kann, im Luxor in der Südlichen Vorstadt, die stellt sich nicht. Also hat das Theater Koblenz an Stefan Wipplinger einen speziellen Schreibauftrag übermittelt. Der junge und bereits viel gespielte Autor ist dem Koblenzer Ensemble und Publikum spätestens seit „Maß für Maß” bestens bekannt. Und sehr schnell wächst ein Stück aus einer Grundidee, die auf dem Spielprinzip von Arthur Schnitzlers „Reigen” basiert.
Sieben Dialoge entstehen nach den Spielregeln: Person A trifft auf B, B auf C, C auf D bis endlich G wieder bei A ankommt. Thematische Klammer bei Schnitzler 1903: Erotische Begegnungen. Thematische Klammer 2020 am Theater Koblenz: Masken. Alle Frauen im Stück tragen berufsbedingt oder aus quasi privaten Gründen eine Maske oder einen Helm. Damit dürfen die Darstellerinnen sich näherkommen als 1,5 Meter. Und aus einer Pflicht wird ein Spiel. So treffen denn aufeinander: Kosmetikerin, Polizistin, Demonstrantin, Krankenschwester, Schweißerin, Feuerwehrfrau, Bankräuberin, Kosmetikerin… Durch ihre Begegnung zieht sich als roter Faden ein mysteriöses Erbe des unlängst verstorbenen Schnitzel. Woraus dieses Erbe besteht, wer es letztlich bekommt und wie alle Figuren zunächst mehr oder weniger zufällig einander treffen und dann doch miteinander zu tun haben – das wird in einem verrückten Reigen im Luxor erzählt.
Uraufführung im Jahr 2021

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten
Szenen zu Wahrheit, Lüge und Fiktion
Sarah Amanda Dulgeris, Patty Kim Hamilton, Katharina Kern, Elisabeth Pape, Lena Reißner, Rosa Rieck, Sofiya Sobkowiak, Ivana Sokola, Jona Spreter und Lisa Wentz werden sich in eine sprachlich– theatralische Auseinandersetzung mit dem 8. Gebot des Dekalogs begeben. Das lebenspraktische Dilemma des biblischen Verbots zu lügen, liegt schon immer auf der Hand: Jeder lügt gern mal, ja, sieht sich aus praktischen oder humanitären Erwägungen manches Mal geradezu dazu gezwungen. Allerdings spannt sich mit dem Blick auf heutige gesellschaftliche Entwicklungen der Bedeutungsbogen wesentlich weiter, denn „in einer Zeit, in der sich Nachrichten in frei umherwirbelndes Informations–Konfetti verwandeln” (Bernhard Pörksen) ist ein neuer Umgang mit öffentlicher und persönlicher Wahrheit gefragt. „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden” – das alte Gebot fordert heute neues Lernen. Was ist Privates, was Öffentliches? Was Meinung, was Tabubruch, was Hetze? Was ist Aufklärung, was Mobbing? Was journalistische Stereotype, was selektierte Information, was Fake News?
Uraufführung 10. April 2021

Wo wenn nicht wir
Schauspiel von Svenja Viola Bungarten und Malte Abraham
Das Projekt „Wo wenn nicht wir” ist die zehnte Theaterarbeit, die auf die inzwischen 6–jährige intensive Kooperation zwischen dem Theater Koblenz und dem Studiengang Szenisches Schreiben der Universität der Künste in Berlin zurückgeht. Das Koblenzer Publikum hat seit dem ersten Projekt, „The Magic Roundabout”, die große Bandbreite unterschiedlichster neuer Texte direkt aus der Schreibwerkstatt des renommierten Berliner Studiengangs begeistert angenommen, zahlreiche Stückaufträge des Theaters an junge Autorinnen und Autoren und somit ein nachhaltiger Beitrag zur Entwicklung der zeitgenössischen deutschsprachigen Theaterliteratur waren die unmittelbare Folge der engen Arbeitsbeziehungen zwischen Koblenz und Berlin.
Für „Wo wenn nicht wir” haben Svenja Viola Bungarten und Malte Abraham ihre Eindrücke aus jeweils mehrwöchigen Recherche– und Werkstatt–Aufenthalten in Koblenz in einen Theatertext einfließen lassen, der, wie aus vielen Mosaiksteinen von Eindrücken, ein ganz besonderes theatralisches Bild der Stadt auf der Bühne lebendig werden lässt.
Uraufführung 28. Mai 2021

www.theater-koblenz.de