Vier Jahrhunderte liegen zwischen Heinrich Schütz und unserer Gegenwart. Und doch kann Musik diese Distanz in einem einzigen Augenblick aufheben. Ein Klang, eine Stimme, ein Rhythmus – und plötzlich ist Vergangenheit nicht mehr vergangen. Das HEINRICH SCHÜTZ MUSIKFEST 2026 folgt den Spuren eines Komponisten, dessen Werk immer wieder neu entdeckt, gedeutet und weitergedacht wurde. Unter dem Titel „Spurensuche. Anstoß und Aufbruch“ fragt das Festival, was Schütz heute noch in Bewegung bringen kann.

Wie viel Gegenwart steckt in einer Musik, die vor rund vierhundert Jahren entstanden ist? Vielleicht mehr, als man zunächst vermuten würde. Denn Musik kennt keine staubige Vergangenheit. Sie entsteht immer im Augenblick ihrer Aufführung. Ein Werk von Heinrich Schütz mag aus einer anderen Zeit stammen – doch sobald Stimmen einsetzen, wird es gegenwärtig. Der Klang geschieht jetzt. Und mit ihm verändert sich auch unser Blick auf das Damals.
Genau an diesem Punkt setzt das HEINRICH SCHÜTZ MUSIKFEST 2026 an. Unter dem Titel „Spurensuche. Anstoß und Aufbruch“ widmet sich die diesjährige Ausgabe nicht allein dem Werk des großen deutschen Komponisten, sondern seiner Rezeption, seinem Nachleben und seiner Wirkungsgeschichte. Schütz wurde über Jahrhunderte hinweg unterschiedlich wahrgenommen: als Lehrer, als bedeutender Vertreter einer „deutschen“ Musiktradition, als wiederentdeckter Meister und schließlich als Komponist, dessen Musik immer neue Generationen inspiriert. Das Festival macht diese wechselnden Perspektiven selbst zum Thema.

Thomanerchor Leipzig, Foto: Philipp Kirschner, Leipzigtravel

Thomanerchor Leipzig, Foto: Philipp Kirschner, Leipzigtravel

Vier Wege führen durch die diesjährige Spurensuche.
„Spuren“ richtet den Blick auf Schütz als Lehrer und auf die Wahrnehmung seines Schaffens als musikalischen Markstein um 1700. „Renaissance“ folgt der Wiederentdeckung seines Werks im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. „Export“ führt über die Grenzen Deutschlands hinaus und verfolgt klingende Spuren, die bis in die Slowakei und das Baltikum reichen. Und „Experiment“ stellt schließlich die vielleicht spannendste Frage: Was können Komponist:innen unserer Zeit mit Schütz anfangen?
Damit wird das Festival zur Begegnungsstätte zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Alte Musik erscheint nicht als abgeschlossene Epoche, sondern als Material, das weiterwirkt, Fragen aufwirft und neue künstlerische Antworten provoziert.

Artist in Residence
Besonders deutlich wird dieser Gedanke in der Arbeit des diesjährigen Artist in Residence THE PRESENT. Hanna Herfurtner, Olivia Stahn und Amélie Saadia verbinden in ihren konzeptuellen Programmen Alte und Neue Musik, integrieren experimentelle Elemente und überschreiten bewusst stilistische Grenzen. Dabei richten sie den Blick nicht nur darauf, was wir hören, sondern auch darauf, wie wir hören. THE PRESENT macht die Wahrnehmung selbst zum künstlerischen Thema und nähert sich Schütz mit Neugier, Experimentierfreude und einem Augenzwinkern. Das ist mehr als eine zeitgemäße Verpackung historischer Musik. Es ist die Einladung, die eigenen Hörgewohnheiten zu hinterfragen.

Neben THE PRESENT versammelt das Festival zahlreiche herausragende Ensembles, Musikerinnen und Musiker. Mit dabei sind unter anderem der Thomanerchor Leipzig, Le Nuove Musiche, Capella dell’halla, das Johann-Rosenmüller-Ensemble, Léon Berben, das Ensemble La Rubina, der Dresdner Kammerchor, die lautten compagney BERLIN, Thea Soti und Ensemble Paper Kite, Benjamin-Joseph Steens sowie der GewandhausChor.
Konzerte stehen dabei ebenso auf dem Programm wie Vorträge, Ausstellungen und Führungen, musikalische Gottesdienste und Vespern. Das Festival öffnet damit unterschiedliche Zugänge zu Schütz und seiner Zeit – vom konzentrierten Zuhören bis zur historischen Spurensuche.
Musik ist Erinnerung – aber sie ist niemals nur Erinnerung. Sie kann etwas bewahren und gleichzeitig etwas Neues anstoßen. Und so wird die Spurensuche bei Heinrich Schütz zwangsläufig zum Aufbruch.
2. bis 11. Oktober 2026
www.schuetz-musikfest.de

lautten compagney BERLIN, Foto: Robert Paul Kothe

lautten compagney BERLIN, Foto: Robert Paul Kothe