Mit Henry Purcells „Dido and Aeneas“ kehrt im Januar 2027 nach langer Zeit wieder eine Barockoper auf die große Bühne des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden zurück. In seinem berühmtesten Bühnenwerk verbindet Purcell die tragische Liebesgeschichte der karthagischen Königin Dido und des trojanischen Helden Aeneas mit Fragen nach Macht, Verantwortung und persönlicher Freiheit.
Dido ist Königin von Karthago und hat sich vorgenommen, weder ihre politische Unabhängigkeit noch die Herrschaft über ihren Stadtstaat einem Mann zu überlassen. Doch mit Aeneas tritt ein Fremder in ihr Leben, zu dem sie sich trotz ihrer Vorbehalte hingezogen fühlt. Zwischen beiden entwickelt sich eine Liebe, die von Beginn an unter schwierigen Vorzeichen steht.
Denn auch Aeneas folgt einer größeren Bestimmung. Als trojanischer Held soll er Karthago verlassen und in Italien ein neues Reich begründen. Persönliches Glück und politische Mission geraten damit unmittelbar aneinander. Hinzu kommen übernatürliche Kräfte: Hexen und Geister greifen in das Geschehen ein und treiben die Liebenden ihrem tragischen Ende entgegen.
Henry Purcell schuf die Oper nach Motiven aus Vergils „Aeneis“. Mit einer Spieldauer von kaum mehr als einer Stunde gehört „Dido and Aeneas“ zu den konzentriertesten Werken des Opernrepertoires. Gerade diese Verdichtung verleiht der Geschichte ihre besondere Kraft. Tänzerische und chorische Passagen treffen auf intime Momente, während Didos berühmte Klage am Ende zu einem der eindringlichsten Abschiedsgesänge der Operngeschichte geworden ist.
In Wiesbaden wird der antike Mythos zum Ausgangspunkt einer aktuellen Reflexion über das Verhältnis von Macht und Menschlichkeit. Was geschieht, wenn persönliche Gefühle mit politischen Prinzipien kollidieren? Und kann eine Beziehung bestehen, wenn beide Menschen zugleich für etwas verantwortlich sind, das weit über ihr eigenes Leben hinausgeht?
Regisseurin Andrea Moses stellt diese gesellschaftlichen Zusammenhänge in den Mittelpunkt ihrer Inszenierung. Die musikalische Leitung übernimmt der Barockspezialist Christian Rohrbach. Heike Vollmer gestaltet die Bühne, die Kostüme stammen von Anja Rabes. Als Dido ist Silvia Hauer zu erleben, Jack Lee übernimmt die Partie des Aeneas und Molly Ryan singt Belinda.
Damit bringt „Dido and Aeneas“ nicht nur Purcells barockes Meisterwerk zurück ins Große Haus, sondern erzählt zugleich eine zeitlose Geschichte über zwei Menschen, deren Liebe an ihren unterschiedlichen Vorstellungen von Macht, Verantwortung und Zukunft zu zerbrechen droht.
Premiere 23. Januar 2027
weitere Aufführungen: 29. Januar, 6. Februar, 7. März, 16. April sowie 24. Juni 2027

