Seit sieben Jahrzehnten gehört das Menuhin Festival Gstaad zu den bedeutendsten Klassiktreffen Europas. Gegründet 1957 von Yehudi Menuhin in der Berglandschaft des Saanenlands, entwickelte sich das Festival zu einem kulturellen Treffpunkt für Generationen von Musikerinnen und Musikern aus aller Welt. 2026 gestaltet Daniel Hope erstmals als künstlerischer Leiter des Festivals mit seinem Programm Family Matters die Zukunft des Festivals – im Geist von Menuhins Vision, Musik als verbindende Kraft zwischen Menschen, Generationen und Kulturen zu verstehen.

Das Eröffnungskonzert – Ein Auftakt im Zeichen des Wiedersehens
70 Jahre gemeinsam gelebte Freude an der Musik in Gstaad – das Jubiläumsfestival eröffnet am 16. Juli 2026 in der Kirche Saanen mit einem Konzert, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf besonders persönliche Weise miteinander verbindet. Für den neuen Intendanten Daniel Hope ist dieser Abend auch eine Reise zurück zu den eigenen Anfängen: Die Erinnerung an jenes Mittagessen im Hotel Olden am 17. August 1983 – seinem zehnten Geburtstag – als er erstmals auf Pinchas Zukerman traf, bleibt für ihn ein prägendes biografisches Erlebnis. Ebenso tief verankert ist die Erinnerung an seinen Mentor Yehudi Menuhin, unter dessen wachsamen und wohlwollenden Augen er als Künstler reifen durfte. Die Jubiläumsausgabe steht daher ganz im Zeichen des Miteinanders – in all seinen Facetten. Zum Festivalauftakt treten Pinchas Zukerman und sein lebenslanger Freund Zubin Mehta gemeinsam auf. Mehta ist dem Publikum des Menuhin Festival Gstaad seit seinem Debüt im Festivalzelt 2004 bestens vertraut. Gemeinsam stehen sie mit dem Zürcher Kammerorchester auf der Bühne – einem Ensemble, das für Daniel Hope eine musikalische Heimat und eine prägende „Geburtsstätte“ seines künstlerischen Werdegangs darstellt. Schon als junger Musiker durfte er die inspirierenden Generalproben des ZKO in der Kirche Saanen unter Edmond de Stoutz erleben. Für Jacques Offenbachs ergreifendes Larmes de Jacqueline – jene „Tränen der Jacqueline“, die einst durch die legendäre Cellistin Jacqueline du Pré weltberühmt wurden – hat Hope zudem die Cellistin Amanda Forsyth, Ehefrau von Zukerman, eingeladen. Natürlich dürfen an einem so erinnerungsreichen und emotional aufgeladenen Abend auch die großen Klassiker der Wiener Klassik nicht fehlen: Werke von Haydn und Mozart rahmen das Programm und verleihen dem Konzert eine zeitlose klangliche Eleganz. Ein Abend, der ganz im Zeichen einer großen musikalischen Familie steht – und einer Geschichte, die bereit ist für ihre nächsten Kapitel.

Daniel Hope © Daniel Waldhecker

Daniel Hope © Daniel Waldhecker

Das Programm vom 16. Juli bis 5. September 2026 setzt auf das Prinzip der musikalischen Gemeinschaft. In Kirchen und historischen Spielorten rund um Gstaad sowie im Festivalzelt werden über 75 Konzerte präsentiert. Dabei geht es nicht nur um musikalische Virtuosität, sondern um Begegnung: zwischen Generationen, Kulturen und künstlerischen Haltungen. Im Zentrum steht die Idee der Familie als kultureller und emotionaler Resonanzraum. Familie bedeutet hier sowohl Herkunft als auch Wahlverwandtschaft – Freundschaften, künstlerische Partnerschaften und gemeinsames Lernen. Hope selbst ist seit seiner Jugend eng mit dem Festival verbunden und versteht sein erstes Jubiläumsprogramm als Hommage an diese lebendige Tradition. Das Jubiläumsjahr bringt große Namen der internationalen Klassikwelt nach Gstaad. Zu den musikalischen Gästen zählen unter anderem Dirigenten und Solisten wie Zubin Mehta, der zu seinem 90. Geburtstag geehrt wird, oder Pianistinnen und Pianisten wie Daniil Trifonov und Khatia Buniatishvili. Gleichzeitig eröffnet die Reihe Next Generation jungen Talenten neue Bühnen und zeigt, wie musikalische Zukunft heute gestaltet wird.Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf neuen Formaten. Mit The Summit entsteht ein Forum für Zukunftsfragen an der Schnittstelle von Musik, Kultur und Gesellschaft. In Diskussionen und Konzertformaten werden Themen wie gesellschaftlicher Wandel, kulturelle Verantwortung und die Rolle der Kunst im 21. Jahrhundert verhandelt. Das Festival erweitert damit seine klassische Konzertstruktur um dialogische Räume des Denkens und Austauschs. Auch die pädagogische Tradition bleibt zentral. Die Menuhin Festival Academy bildet das Herzstück der Nachwuchsförderung. In den Bereichen Dirigieren, Klavier, Gesang und Streichinstrumente lernen junge Musikerinnen und Musiker in enger Gemeinschaft mit internationalen Künstlern. Daniel Hope übernimmt selbst die künstlerische Leitung der Streicherkurse und führt damit Menuhins pädagogisches Vermächtnis weiter: Musik als gemeinsames Wachstumserlebnis.
Zum Jubiläum wird das Festival nicht nur als Konzertreihe, sondern als kulturelle Lebensform sichtbar. Discovery-Formate, Familienkonzerte und musikalische Wanderungen – die sogenannten President’s Hikes – öffnen neue Zugänge zur Klassik. Musik wird hier Teil der Landschaft, der Natur und des gesellschaftlichen Lebens. 70 Jahre nach seiner Gründung bleibt das Menuhin Festival Gstaad ein Ort der Begegnung. Ein Ort, an dem Musik nicht nur gehört, sondern erlebt wird – als Geschichte, als Gegenwart und als gemeinsames Versprechen für die Zukunft.
16. Juli bis 5. September 2026
www.menuhin.ch

Sir András Schiff © Nadja Sjöström

Sir András Schiff © Nadja Sjöström