Experimente, künstlerische Haltungen und sinnliche Erfahrungen. Internationale Strömungen und Düsseldorfer Positionen, neue Talente und‚ große Namen finden in dem eigenwilligen Haus am Grabbeplatz unter der Leitung von Dr. Gregor Jansen ihren Platz. Die Kunsthalle ist seit jeher eine Basis der Künstler, ein Standort für Möglichkeiten.

Alle drei großen Säle der Kunsthalle Düsseldorf sind im Herbst 2022 dem malerischen Werk der 82-jährigen Wienerin Martha Jungwirth überlassen – ihre erste retrospektiv angelegte Ausstellung in Deutschland, und vor allem im Umfeld der berühmten Düsseldorfer Malerschule von Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute. Nach frühen Erfolgen, wie etwa einer Teilnahme an der documenta 6 im Jahr 1977, wurde die Malerin jahrzehntelang von der Kunstwelt weitgehend übersehen oder ignoriert. Währenddessen arbeitete sie kontinuierlich und fern der öffentlichen Aufmerksamkeit in ihrem Wiener Atelier weiter.

Martha Jungwirth gilt als wichtige Vertreterin der Generation zwischen den Wiener Aktionisten und Franz West, dessen Atelier sie übernahm. In den letzten sechs Jahrzehnten entwickelte die Künstlerin einen einzigartigen Ansatz zur Abstraktion. Dieser stützt sich auf den Körper und die genau beobachtete Wahrnehmung der Welt um sie herum. Ihre Malerei bewegt sich energetisch im Grenzbereich zwischen Figuration und Abstraktion. Aquarell auf Papier war jahrzehntelang ihre bevorzugte Technik.

Mit ihrem idiosynkratischen, nonkonformistischen Ansatz in der Malerei besetzen ihre Kunstwerke einen intuitiven Raum, der jenseits der Bildung erkennbarer Bilder existiert, „vor der gesprochenen Sprache“, „vor der Erinnerung“ und „vor der Aufdringlichkeit der Objekte“. Die Kompositionen offenbaren sich ihr während des Malprozesses, den sie selbst als „Abenteuer“ bezeichnet, wobei sie im Zusammenspiel mit ihren Materialien großformatige Kunstwerke schafft, die zwischen Zufall und Kalkül angesiedelt sind.
2. September bis 20. November 2022

www.kunsthalle-duesseldorf.de