Am Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Waffen endlich schwiegen, gingen nicht nur Menschenleben verloren, sondern auch unschätzbare Kunstwerke – für immer. Der 8. Mai 1945 markiert nicht nur die politische und militärische Kapitulation des NS-Regimes, sondern auch einen kaum wieder gutzumachenden kulturellen Einschnitt: den Großbrand von Schloss Immendorf in Niederösterreich. Das barocke Landschloss, im Krieg als Lagerstätte für Kunstschätze genutzt, wurde in den letzten Kriegstagen zur Bühne eines katastrophalen Verlusts. Mit den Flammen verschwanden bedeutende Werke Gustav Klimts und anderer Künstler – für immer.

Das MAK – Museum für angewandte Kunst in Wien widmet diesem dramatischen Kapitel der österreichischen Kunstgeschichte in Kooperation mit der Klimt-Foundation eine umfassende Ausstellung: „Verbrannt, zerstört, verschollen?“. Zwischen dem 16. Juli und 21. September 2025 wird im MAK Forum nicht nur der Verlust dokumentiert, sondern auch das Gedenken an das kulturelle Erbe neu verhandelt.
Im Zentrum stehen jene Werke Klimts, die im Schloss eingelagert und bei dessen Zerstörung vernichtet wurden – darunter die drei Fakultätsbilder Philosophie, Medizin und Jurisprudenz, die ursprünglich für den Festsaal der Universität Wien bestimmt waren. Ihre expressive Symbolik und der Bruch mit akademischen Konventionen sorgten zu Lebzeiten Klimts für Kontroversen – und machten sie heute umso bedeutender. Daneben sind auch verloren gegangene Supraportenbilder wie Die Musik oder Schubert am Klavier, sowie Werke aus der zwangsenteigneten Sammlung Lederer Thema – etwa Der goldene Apfelbaum, Freundinnen II, Leda und Wally.

Gustav Klimt, Freundinnen II, 1916/17, Farblichtdruck aus der Mappe Gustav Klimt, eine Nachlese, hrsg. Max Eisler, Druck und Verlag der österreichischen Staatsdruckerei, Wien, 1031 © Klimt-Fondation,  Wien

Gustav Klimt, Freundinnen II, 1916/17, Farblichtdruck aus der Mappe Gustav Klimt, eine Nachlese, hrsg. Max Eisler, Druck und Verlag der österreichischen Staatsdruckerei, Wien, 1031 © Klimt-Fondation, Wien

Doch nicht nur Klimts Œuvre wurde dezimiert. Auch das MAK verlor zentrale Bestände: kunsthandwerkliche Objekte aus Asien, frühneuzeitliche Möbel, Teppiche, Tapeten und das sogenannte Laxenburger Zimmer – ein raumgreifendes Ensemble angewandter Kunst. Besonders tragisch: das sogenannte Möchlinger Grab, ein einzigartiger Holzschrein in Form einer gotischen Kirche aus dem 15. Jahrhundert.
Die Ausstellung rekonstruiert nicht nur die Ereignisse rund um den Brand, sondern versucht auch, die Lücken der Erinnerung zu schließen. Mit Hilfe von originalen Bergungslisten, Archivmaterialien, Plänen, Fotografien und einem eigens erstellten Architekturmodell des Schlosses wird das Ausmaß des Verlustes greifbar gemacht. Eine neue Filmdokumentation mit Interviews von Zeitzeug*innen öffnet zusätzliche Perspektiven auf die Umstände der Vernichtung – und auf das Schweigen danach.
„Verbrannt, zerstört, verschollen?“ ist eine Ausstellung der Rekonstruktion, der Erinnerung und der kritischen Aufarbeitung. Sie ist Mahnung und Hommage zugleich – an die Verletzlichkeit von Kunst und die Notwendigkeit ihres Schutzes. Und sie ist ein Plädoyer für das historische Bewusstsein eines Landes, das sein kulturelles Erbe nie als selbstverständlich begreifen darf.
16. Juli bis 21. September 2025, MAK Forum
www.mak.at