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Clemens J. Setz entwickelt in seinem neuen Stück ein düsteres Spiel über den Umgang mit dem Tod in unserer medialen Welt. Sind die Toten wirklich tot oder können sie im Virtuellen weiterleben? Wie beeinflusst die digitale Welt unsere Vorstellung von Unsterblichkeit? Gibt es eine digitale Unsterblichkeit, und was folgt daraus für unser „reales“ Leben? Was bedeutet Authentizität in einer Welt, in der sich jeder vermeintlich „real“ im Netz darstellen kann?

Der achtjährige David Herzer ist tot. Ein Autounfall verändert das Leben seiner Eltern mit einem Schlag. Ihr Sohn hinterlässt eine Leerstelle, die Renate und Konrad Herzer nicht akzeptieren können. Mithilfe digitaler Medien erschaffen sie eine Welt, in der David weiterlebt. Auf ihrem Blog gibt Renate Herzer täglich Einblicke in ihr Familienleben. Die Öffentlichkeit reagiert gespalten. Ein Fernsehteam besucht die Eltern, um einen Film über den „Fall David Herzer“ zu drehen. Die Schule will David nicht mehr am Unterricht teilnehmen lassen. Die Debatte eskaliert, als der YouTuber Tim Feels ein kritisches Video über den Umgang der Eltern mit ihrem verunglückten Sohn postet. „Mein Sohn gehört nicht der Erde, er gehört uns“, sagt Renate in einem Interview. Sie kämpft gegen Hasskommentare und für das Weiterleben ihres Sohnes. Die mediale Resonanz legitimiert die Welt, die sich das Ehepaar geschaffen hat. Je mehr Aufmerksamkeit David bekommt, desto lebendiger scheint er zu werden.
Uraufführung  14. Oktober 2022

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