Das Von der Heydt-Museum besitzt eine der reichsten Sammlungen Deutschlands. Schwerpunkte bilden Gemälde der niederländischen Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts, Malerei und Graphik des 19. Jahrhunderts mit exzellenten Bildern des Impressionismus sowie die Malerei des 20. Jahrhunderts, wobei hier der Expressionismus mit herausragenden Werken vertreten ist. Diese beeindruckend umfangreiche Sammlung entstand im Lauf von mehr als hundert Jahren durch reiche Stiftungen und Schenkungen aus der Bürgerschaft sowie große Ankäufe.
Trotz des verheerenden Aderlasses, den das Museum in der nationalsozialistischen Aktion „entartete Kunst“ hinnehmen musste, umfasst die Sammlung heute 3000 Gemälde, 400 Skulpturen und ca. 30.000 Arbeiten auf Papier.
Seit seinen Anfängen im 19. Jahrhundert ist das Museum vom Bürgertum der Städte Barmen und Elberfeld, die 1929 zu „Wuppertal‘ verschmolzen, geprägt. Wenn das Museum heute über eine der reichsten Sammlungen Deutschlands verfügt, ist das in erster Linie den Wuppertaler Bürgern und ihrem Kunst- und Gemeinsinn zu verdanken. Vor allem die Elberfelder Bankiersfamilie Von der Heydt und die im Barmer Kunstverein organisierten Kunstinteressierten erwarben bedeutende Werke der Kunst und stifteten sie „ihrem Museum”.
In der Von der Heydt-Kunsthalle wurde bis Frühjahr 2019 internationale Gegenwartskunst gezeigt. Zurzeit finden dort wechselnde Ausstellungen städtischer Institutionen statt. Die nun wieder Kunsthalle Barmen genannten Ausstellungsräume befinden sich in Wuppertal-Barmen auf geschichtsträchtigem Boden, in der sogenannten Ruhmeshalle. Im Jahr 1900 von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht, nutzte sie bereits damals der Barmer Kunstverein für Ausstellungen.

Vision und Schrecken der Moderne – Industrie und künstlerischer Aufbruch
Als Beitrag zum Jubiläums-Jahr „Engels 2020“, mit dem Wuppertal den 200. Geburtstag von Friedrich Engels feiert, geht das Von der Heydt-Museum der Frage nach, wie sich die kulturellen und sozialen Aspekte der Industrialisierung in der Kunst vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart niedergeschlagen haben. Das im Zuge der industriellen Revolution entstandene neue Wirtschaftssystem des Kapitalismus, dessen Grundlagen Marx und Engels kritisch analysierten, hat nicht nur zu technischem Fortschritt und kultureller Weiterentwicklung, sondern auch zu heftigen sozialen Konflikten geführt, die die Bildende Kunst reflektiert.
Das Wupper-Tal, Geburtsort von Friedrich Engels (1820 Barmen, heute Wuppertal-Barmen – 1895 London) und im 19. Jahrhundert ein Zentrum der Textilindustrie, war ein Ausgangspunkt des industriellen Aufschwungs mit seiner weltbewegenden Dynamik. Die Porträtmalerei kam hier zu hoher Blüte und spiegelt das neue Selbstbewusstsein des Wirtschaftsbürgertums. Gleichzeitig thematisierten um 1850 Künstler der Düsseldorfer Malerschule erstmalig die schwierigen Lebensbedingungen der Arbeiter.
Unter dem Einfluss des Naturalismus setzten sich seit den 1880er Jahren Künstler wie Hans Baluschek in der Malerei, Max Klinger und Käthe Kollwitz in der Graphik, Constantin Meunier und Bernhard Hoetger in der Skulptur intensiv mit der Misere des Proletariats auseinander. Mit einer unheilvollen Allianz aus Industrie und Militarismus markierte der Erste Weltkrieg eine zeitgeschichtliche Zäsur. Seine Auswirkungen führten zu einer Verschärfung der gesellschaftlichen Probleme. In der angespannten Nachkriegssituation wandten sich Maler wie u. a. Conrad Felixmüller, George Grosz, Otto Dix sowie die Kölner Progressiven um Heinrich Hoerle und Franz Wilhelm Seiwert linksgerichteten politischen Bestrebungen zu. Gleichzeitig waren Künstler der Neuen Sachlichkeit, etwa Carl Grossberg, Max Beckmann oder Franz Radziwill, beeindruckt von den Phänomenen der neuen Industrielandschaft, von der Dynamik der Großstadt, von der gleichermaßen magischen wie unheimlichen Anziehungskraft der Maschine.
Bis 11. Juli 2021

Heinrich Hoerle, Selbstbildnis vor Häusern (Arbeiter), 1932, Von der Heydt-Museum Wuppertal

Heinrich Hoerle, Selbstbildnis vor Häusern (Arbeiter), 1932, Von der Heydt-Museum Wuppertal

An die Schönheit – Stars der Sammlung
Das Von der Heydt-Museum lädt ein zu einem Rendezvous mit den „Stars der Sammlung“. Das klassizistische Gebäude am Turmhof, einst das Rathaus Elberfelds, beherbergt kostbare Kunstschätze. Die chronologisch präsentierte Auswahl an Meisterwerken macht deutlich, welchen besonderen Rang die Sammlungen des 1902 gegründeten Museums und des ihm angeschlossenen Kunst- und Museumsvereins besitzen.
Der Ausstellungs-Parcours führt durch die wichtigsten Epochen und Stilrichtungen der vergangenen 200 Jahre; vorgestellt werden Entwicklungen der Kunst vom 19. bis ins 20. Jahrhundert, von der Romantik zum Biedermeier, vom Impressionismus zum Expressionismus und Kubismus, über die Kunst der 20er/30er Jahre bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Den Ausklang bilden verschiedene Kunstrichtungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Besondere Schwerpunkte der Präsentation bilden die Impressionisten, mit Bildern von Monet, Degas, Renoir, Cézanne, Toulouse-Lautrec, van Gogh und Gauguin. Munch, Hodler und Paula Modersohn-Becker gehören zu den Künstlern, die um 1900 einer modernen Ausdruckskunst den Weg bereiteten. Auch von den „deutschen Impressionisten“ Liebermann, Slevogt und Corinth besitzt das Museum wichtige Werke.
Zu den Highlights der von Dr. Antje Birthälmer kuratierten Schau gehören die Bilder der Expressionisten: Mit Beispielen von Rohlfs und Kokoschka, Beckmann, Munch und Modersohn-Becker, mit Gemälden der „Brücke“-Künstler sowie Werken von Künstlern aus dem Kreis des „Blauen Reiter“ ist der Expressionismus repräsentativ vertreten.
Mit Otto Dix und Max Beckmann stehen sich hier zwei prägende Künstler der Neuen Sachlichkeit gegenüber. Dem Dix-Gemälde „An die Schönheit“ (1922) ist der beziehungsreiche Titel der Schau entliehen. Unser Rundgang führt weiter zu einer „phantastischen“ Begegnung mit Gemälden der Surrealisten Max Ernst und Salvador Dalí. Picasso, ein Ausnahmekünstler des 20. Jahrhunderts, ist mit Beispielen aus verschiedenen Schaffensphasen präsent.
Ernst Wilhelm Nay, Paul Klee, Willi Baumeister und Fritz Winter zählen zu den Wegbereitern der Abstraktion in Europa, Hans Hofmann in den USA. Mit Beispielen der Konzept-Kunst, der malerischen Reduktion und der Farbfeldmalerei werden zu radikal bildnerischer Neugestaltung strebende Tendenzen der abstrakten Kunst von den 60er bis in die 90er Jahre vorgestellt.
Bis 3. Oktober 2021

 

Aus der Zeit gerissen
Joseph Beuys: Aktionen – fotografiert von Ute Klophaus
Anknüpfend an das „24-Stunden-Happening“, das 1965 in der Galerie Parnass in Wuppertal stattfand, präsentiert die Ausstellung des Von der Heydt-Museums Fotografien von Ute Klophaus, in denen die Aktionen von Joseph Beuys festgehalten sind. Ihre Fotografien zeigen aus dem Fluss der Zeit gerissene Momente der performativen Kunst von Beuys und vermitteln zugleich die besondere Ausstrahlung, Intensität und Energie des Akteurs der Handlung. Die Ausstellung basiert auf den reichen Beständen an Klophaus-Fotos der Sammlung Lothar Schirmer, München.
Das „24-Stunden-Happening“, eines der wichtigsten Ereignisse der internationalen Fluxus-Bewegung, an dem neben Joseph Beuys auch Nam June Paik, Bazon Brock, Tomas Schmit, Wolf Vostell u. a. teilnahmen, wurde für die gebürtige Wuppertalerin Ute Klophaus (1940-2010) zum Schlüsselerlebnis. Die Begegnung mit Joseph Beuys (1921-1986) prägte ihre weitere Entwicklung.
Beuys und sein Werk fotografierte sie über 20 Jahre lang; die Beschäftigung mit Beuys wurde der Schwerpunkt ihrer fotografischen Tätigkeit. Die Fotografien von Ute Klophaus verdeutlichen ihre Fähigkeit, über das Visuelle hinausgehende Wahrnehmungen sichtbar zu machen und die verborgenen, schwer fassbaren Aspekte, die den Weltenentwurf von Beuys mitformen, anzudeuten.
Die Ausstellung ist Teil des Jubiläumsprogramms „beuys 2021. 100 jahre joseph beuys“, einem Projekt des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf als Träger unter der künstlerischen Leitung von Prof. Dr. Eugen Blume und Dr. Catherine Nichols. Schirmherr ist Ministerpräsident Armin Laschet.
19. September 2021 bis 9. Januar 2022

www.von-der-heydt-museum.de