Die Opelvillen Rüsselsheim widmen sich einer Künstlerin, die lange im Schatten ihrer berühmten Schwester stand und deren Werk nun mit neuer Intensität ins Licht rückt: Hélène de Beauvoir (1910–2001). Unter dem Titel Mit anderen Augen sehen zeigt das Haus die erste museale Retrospektive in Deutschland und präsentiert über 150 Arbeiten – von frühen Skizzen über Kupferstiche und Zeichnungen bis hin zu monumentalen Ölgemälden und Acrylbildern.

Die Ausstellung verfolgt den künstlerischen Weg einer Frau, die sich früh behauptete und in den kulturellen Zentren Europas präsent war. Bereits 1936 stellte Hélène de Beauvoir in der Pariser Galerie Jacques Bonjean aus, wo auch Picasso, Braque oder Dalí vertreten waren. Picasso selbst nannte ihre Werke „originell“. Im Laufe ihrer Karriere zeigte sie ihre Bilder in Paris, Mailand, Tokio oder Genf, Werke gelangten in die Uffizien in Florenz und ins Centre Pompidou in Paris. Dennoch geriet die Malerin nach ihrem Tod weitgehend in Vergessenheit – ihre Kunst blieb überlagert von der Strahlkraft ihrer Schwester Simone, der großen Philosophin und Ikone der Frauenbewegung.

Hélène de Beauvoir, Ohne Titel, 1973, Privatsammlung © Ute Achhammer, APP, Courtesy Auktionshaus Dannenberg, Berlin

Hélène de Beauvoir, Ohne Titel, 1973, Privatsammlung © Ute Achhammer, APP, Courtesy Auktionshaus Dannenberg, Berlin

Dr. Beate Kemfert, die Kuratorin der Opelvillen, rückt nun Hélènes Werk neu ins Bewusstsein. Sie stellt nicht nur die ästhetische Vielfalt der Künstlerin vor, sondern betont auch Themen, die bislang unbeachtet blieben: die intensive Auseinandersetzung mit dem weiblichen Körper, mit Fragen von Sexualität, Verletzlichkeit und Stärke. Gerade diese Perspektiven, die Hélène de Beauvoir konsequent und eigenständig verfolgte, lassen ihre Malerei als wichtigen Beitrag zur Kunst- und Frauengeschichte des 20. Jahrhunderts erscheinen.

Die Schau macht sichtbar, wie Hélène de Beauvoir in unterschiedlichen Medien experimentierte und wie sich in ihren Arbeiten erzählerische Kraft und formale Freiheit verbinden. Von den frühen figurativen Kompositionen bis zu den expressiven, fast abstrakten Bildern der 1960er-Jahre zieht sich ein roter Faden: das Ringen um eine Sprache für weibliche Identität und Erfahrung. Die Ausstellung in den Opelvillen ist mehr als eine kunsthistorische Entdeckung – sie ist eine Einladung, Hélène de Beauvoir „mit anderen Augen“ zu sehen und ihr Werk aus dem Schatten hervor ins kulturelle Gedächtnis zu holen.
28. September 2025 bis 8. Februar 2026
www.opelvillen.de