In den prachtvollen Räumen der Neuen Residenz Bamberg wird derzeit ein außergewöhnliches Kapitel europäischer Kunstgeschichte lebendig. Die Sonderausstellung „Höfische Begegnungen“, eine Kooperation der Museen der Stadt Bamberg mit der Bayerischen Schlösserverwaltung, wurde aufgrund des großen Erfolgs bis zum 21. Juni 2026 verlängert. Kostbare Porzellane aus der Sammlung Ludwig Bamberg treten dort in einen eindrucksvollen Dialog mit den kunstvollen Interieurs des Fürstbischöflichen Appartements – ein sinnliches Erlebnis zwischen barocker Pracht und feiner keramischer Eleganz.

Die Sammlung Ludwig Bamberg, eine bedeutende Dauerleihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung, zählt zu den Glanzpunkten der städtischen Museen. Ihre eigentliche Heimat, das historische Alte Rathaus, wird derzeit umfassend saniert – Anlass, die herausragenden Stücke in einer Interimsausstellung neu zu inszenieren. Dass diese nun im prunkvollen Ambiente der Neuen Residenz zu sehen sind, erweist sich als idealer Glücksfall: Hier treffen die erlesenen Porzellane aus Meißen und Frankenthal auf die fürstbischöflichen Wohnräume des 18. Jahrhunderts, in denen sie einst selbst Teil höfischer Lebenskunst waren.

Figuren eines Schachspiels nach chinesischer Art, Meißen, um 1740, Porzellan © Museen der Stadt Bamberg

Figuren eines Schachspiels nach chinesischer Art, Meißen, um 1740, Porzellan © Museen der Stadt Bamberg

Das Fürstbischöfliche Appartement wurde ab 1703 für Lothar Franz von Schönborn, den kunstsinnigen Fürstbischof von Bamberg und Mainz, ausgestattet. Die Räume bilden ein faszinierendes Panorama barocker Raumkunst – vom bewegten Stuck Johann Jakob Vogels über die heiteren Régence-Dekorationen und das verspielte Rokoko bis zu den klassizistischen Stuckaturen Materno Bossis. Diese künstlerische Vielfalt spiegelt den Wandel der Epochen wider und bietet die perfekte Bühne für die „Höfischen Begegnungen“, die in dieser Kulisse beinahe zu einem lebendigen Geschichtserlebnis werden.

Solitaire, Frankenthal, um 1765, Porzellan © Museen der Stadt Bamberg

Solitaire, Frankenthal, um 1765, Porzellan © Museen der Stadt Bamberg

Die Ausstellung beleuchtet das Porzellan als Statussymbol und Kulturobjekt, das im 18. Jahrhundert zu einem Inbegriff des Luxus wurde. Ob zarte Figuren, fein bemalte Tafelgeschirre oder dekorative Prunkvasen – jedes Objekt erzählt vom Streben nach Schönheit, Repräsentation und technischer Perfektion. Gleichzeitig wird die „Chinabegeisterung“ jener Zeit sichtbar, die Europa in eine wahre Porzellanleidenschaft versetzte und ganze Manufakturen wie Meißen oder Frankenthal zu künstlerischen Laboratorien der Moderne machte.
Höfische Begegnungen“ ist jedoch weit mehr als eine kunsthistorische Schau. Sie schafft Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen höfischem Glanz und musealer Reflexion. Die Präsentation lässt den Besucher eintauchen in eine Epoche, in der das Zusammenspiel von Kunst, Architektur und Lebensstil zu einer eigenen, ganzheitlichen Ästhetik verschmolz.
Die Ausstellung kann im Rahmen einer Führung durch das Fürstbischöfliche Appartement besichtigt werden und ist im regulären Eintritt inbegriffen. Ein Erlebnis, das den Zauber barocker Kunst und die Raffinesse europäischer Porzellankunst aufs Schönste vereint.
Bis 21. Juni 2026 verlängert!
www.residenz-bamberg.de

Bildplatte mit Venedigansicht, Künersberg, Johann Georg Rupprecht zugeschrieben, um 1770, Fayence, Foto: Wolf © Museen der Stadt Bamberg

Bildplatte mit Venedigansicht, Künersberg, Johann Georg Rupprecht zugeschrieben, um 1770, Fayence, Foto: Wolf © Museen der Stadt Bamberg