In der ehrwürdigen Villa Dessauer, einst Wohnhaus des jüdischen Hopfenhändlers Carl Emanuel Dessauer und heute eine der zentralen Adressen für moderne Kunst in Bamberg, präsentiert der Kunstverein Bamberg e. V. eine außergewöhnliche Überblicksausstellung der Berliner Künstlerin Heike Baranowsky. Vom 6. Dezember 2025 bis 11. Januar 2026 sind hier Werke aus drei Jahrzehnten ihres Schaffens zu sehen – Arbeiten, die zwischen dokumentarischer Präzision und poetischer Abstraktion oszillieren und den Besucher tief in das Phänomen von Zeit, Raum und Wahrnehmung hineinziehen.
Heike Baranowsky zählt zu den profiliertesten Künstlerinnen ihrer Generation. Ihre Werke sind an internationalen Institutionen wie dem MoMA in New York, der Serpentine Gallery London, dem Hamburger Bahnhof in Berlin und dem Lentos Museum Linz gezeigt worden. Seit 2020 ist sie Professorin für Freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.
Im Zentrum der Bamberger Ausstellung steht die Arbeit „Soliloquio“ (2023) – eine faszinierende Stop-Motion-Animation, die die Bewegung des Sonnenlichts in der römischen Kirche Santa Maria degli Angeli über den Verlauf eines ganzen Jahres dokumentiert. Entstanden während der Pandemie, reflektiert das Werk die Beziehung zwischen Stille und Wandel, zwischen innerer Einkehr und kosmischer Zeit. Baranowsky gelingt es, Licht als messbare Größe und zugleich als metaphysisches Erlebnis erfahrbar zu machen.
Weitere Arbeiten wie „Mondfahrt 2001“ oder „Death/breath tomb/womb evil/live“ (1998) zeugen von ihrem konsequenten Interesse an der Schnittstelle von Naturbeobachtung, Wahrnehmung und technischer Transformation. Ihre Videos, Skulpturen und Cyanotypien sind nie bloße Abbilder der Realität, sondern feinsinnige Konstruktionen von Bewegung und Vergänglichkeit. Durch subtile Verschiebungen von Perspektive, Rhythmus und Dauer werden unsichtbare Prozesse sichtbar – der Lauf der Sonne, die Zirkulation der Luft, die fast unmerkliche Bewegung eines Schattens.

Stadtgalerie Bamberg – Villa Dessauer © Museen der Stadt Bamberg
Die Ausstellung fügt sich harmonisch in das eindrucksvolle Ambiente der Villa Dessauer ein, deren herrschaftliche Räume seit 1987 Bühne für zeitgenössische Kunst sind. Hier treffen historische Architektur und moderne Ästhetik aufeinander – ein spannungsreicher Dialog, der Baranowskys Werk einen zusätzlichen Resonanzraum verleiht.
Mit dieser Schau wird nicht nur eine herausragende Position der zeitgenössischen Videokunst gewürdigt, sondern auch die Villa Dessauer einmal mehr als lebendiger Ort des künstlerischen Austauschs bestätigt – ein Haus, das Tradition und Gegenwart, Regionalität und Internationalität auf inspirierende Weise verbindet.
6. Dezember 2025 bis 18. Januar 2026
www.museum.bamberg.de






