In seinen Arbeiten erkundet Cyprien Gaillard urbane Räume als fragile Gefüge von Erinnerung, Kontrolle und Verdrängung. Skulptur, Film, Klang und Architektur verbinden sich zu dichten Bildräumen, in denen sich moderne Lebensformen und ihre Schattenseiten spiegeln.

Cyprien Gaillard verbindet Skulptur, Architektur, Video, Fotografie und Soundkunst zu vielschichtigen künstlerischen Arbeiten, die weniger aus dem Gestus des Autors als aus der Haltung des Beobachters heraus entstehen. Seine Themen kreisen um Jugendkultur, urbane Transformation, das Verhältnis von Natur und gebautem Raum sowie um die Lebensformen der Moderne. Dabei richtet sich sein Blick auf bestehende Strukturen: auf Architekturen der Nachkriegszeit ebenso wie auf ritualisierte Verhaltensweisen und soziale Codes im öffentlichen Raum.

Eine besondere Rolle in Gaillards Werk spielt der Film als sinnliche Verdichtung dieser Beobachtungen. In Retinal Rivalry entfaltet sich eine visuell und akustisch hochintensive Erfahrung, in der stereoskopische 3D-Bilder, Sound und Rhythmus zu einer beinahe halluzinatorischen Wahrnehmung verschmelzen. Die Kamera durchquert urbane Zonen und landschaftlich geprägte Räume, die kulturell aufgeladen und symbolisch bestimmt sind. Die düstere, verstörende Atmosphäre verweigert einfache Lesarten und konfrontiert das Publikum mit einer Welt im permanenten Spannungszustand.

Für seine Ausstellung im Kunsthaus Bregenz richtet Gaillard den Fokus auf sogenannte Deterrents — Maßnahmen der Abschreckung und Kontrolle, die den öffentlichen Raum subtil regulieren. Absperrungen, bewusst unbequeme Sitzflächen oder gezielte akustische Beschallung dienen dazu, bestimmte Körper und Handlungen zu verdrängen. Diese Eingriffe verkleinern den öffentlichen Raum, ohne ihn sichtbar abzuschaffen, und machen Machtverhältnisse im Alltag spürbar.

In Bregenz entwickelt Gaillard eine neue filmische Arbeit, ergänzt durch skulpturale Interventionen, die präzise auf die Architektur des Hauses reagieren. Der Ausstellungsraum wird so zu einem Erfahrungsfeld, in dem Wahrnehmung, Kontrolle und Raumproduktion untrennbar miteinander verbunden sind. Gaillards Arbeiten fordern nicht zur schnellen Deutung auf, sondern laden dazu ein, Strukturen des Alltäglichen neu zu sehen — und ihre verborgenen Mechanismen bewusst wahrzunehmen.
13. Juni bis 4. Oktober 2026

www.kunsthaus-bregenz.at