Zum 225-jährigen Jubiläum des Theaters an der Wien eröffnet Francesco Cavallis „La Calisto” die Saison 2026/27 mit einer Oper, die erstaunlich nah an unserer Gegenwart liegt. Götter, Nymphen und Fabelwesen geraten in ein Geflecht aus Begehren, Eifersucht und Machtmissbrauch. Stefan Herheim inszeniert Cavallis 1651 in Venedig uraufgeführtes Werk als kosmisches Zaubertheater und legt dabei die gesellschaftlichen und geschlechtlichen Machtverhältnisse frei, die hinter dem barocken Spiel der Verführung sichtbar werden.
Im Zentrum steht die Nymphe Calisto, die sich dem Keuschheitskult Dianas verschrieben hat. Jupiter begehrt sie und nähert sich ihr in Gestalt der Diana – mit fatalen Folgen: Calisto wird zwischen göttlicher Willkür, unerfülltem Begehren und den Regeln einer von Männern und Göttern bestimmten Ordnung zum Spielball. Während Diana selbst dem jungen Endimione verfällt und Pan eifersüchtig zusieht, versucht Juno, die Ehefrau Jupiters, dem turbulenten Treiben ein Ende zu setzen. Ihre Strafe trifft ausgerechnet die Schuldlose: Calisto wird in eine Bärin verwandelt und schliesslich als Sternbild an den Himmel versetzt.
Cavallis Oper verbindet Komik und Tragik, Mythos und menschliche Abgründe. Gemeinsam mit der Lautenistin und Dirigentin Christina Pluhar und ihrem Ensemble L’Arpeggiata lässt Intendant Stefan Herheim die barocke Welt zwischen Himmel und Erde neu entstehen. Vera-Lotte Boecker führt ein hochkarätiges Vokalensemble an, zu dem unter anderem Milan Siljanov, Giuseppina Bridelli, Marcel Beekman und Jake Arditti gehören.
Was bedeutet Calistos Verwandlung am Ende: eine Befreiung aus der irdischen Ordnung – oder ihre endgültige Unterwerfung? Gerade in dieser offenen Frage liegt die zeitlose Kraft von „La Calisto”. Cavallis Götterwelt erweist sich als Spiegel einer Gesellschaft, in der Macht über Körper und Schicksale entscheidet – und in der Liebe und Begehren niemals unabhängig von den Verhältnissen sind, in denen sie stattfinden.
Premiere: 16. September 2026
Folgetermine: 19., 21., 24., 26. und 28. September 2026
www.theater-wien.at







