Fröhliche Farben, eigentümliche Figuren und überraschende Bildwelten: Katrin Plavčaks Malerei wirkt auf den ersten Blick spielerisch und leicht. Doch hinter der farbenreichen Oberfläche verbirgt sich eine präzise und kritische Auseinandersetzung mit den politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Realitäten unserer Gegenwart. Das Lentos Kunstmuseum Linz widmet der österreichischen Künstlerin mit „Painting Reality in Surreal Times” eine Ausstellung über das Leben und Malen in stürmischen Zeiten.
Plavčak malt eine Welt, in der Vertrautes und Verstörendes unmittelbar nebeneinanderstehen. Ihre Bilder greifen Themen auf, die unseren Alltag bestimmen: Fake News und soziale Medien, Künstliche Intelligenz und Klimakrise, politische Instabilität und zunehmende Gewalt. Dabei interessiert sich die Künstlerin weniger für einfache Antworten als für die Frage, wie sich unsere Wahrnehmung verändert, wenn Gewissheiten brüchig werden und Realität zunehmend von Bildern, Informationen und digitalen Erzählungen überlagert wird.

Katrin Plavčak, Cuz, it’s so sad, bro / Darnella Frazier, 17 (George Floyd), 2020
Foto: Markus Gradwohl
Die Ausstellung folgt vier Leitmotiven, die unterschiedliche „Surrealitäten” unserer Gegenwart sichtbar machen. Im Fokus stehen verstärkte Gewalttendenzen und geopolitische Konflikte ebenso wie die Bedeutung demokratischer Strukturen. Auch Geschlechterrollen werden kritisch hinterfragt. Daneben öffnet Plavčak den Blick in eine andere, beinahe unheimliche Wirklichkeit und führt in reale wie imaginäre Geisterwelten.
Charakteristisch für ihre Bildsprache ist dabei die Verbindung scheinbar gegensätzlicher Elemente. Popkulturelle Zitate treffen auf kunsthistorische Referenzen, psychoanalytische Motive auf aktuelle gesellschaftliche Debatten. Humor wird zum wichtigen Werkzeug: Er schafft Distanz, macht Widersprüche sichtbar und ermöglicht es, auch schwierige Themen mit einer gewissen Leichtigkeit zu betrachten. Gerade darin liegt die subversive Kraft ihrer Malerei.
Plavčaks Bilder fordern dazu auf, genauer hinzusehen – und den eigenen Blick auf die Gegenwart zu überprüfen. Was erscheint uns real? Wem glauben wir? Welche Bilder prägen unsere Vorstellungen von Welt, Politik und Identität? Und wie können wir angesichts permanenter Krisen selbstbestimmt bleiben, anstatt uns von ihnen lähmen zu lassen?
„Painting Reality in Surreal Times” versteht Malerei deshalb nicht als Rückzug aus der Wirklichkeit, sondern als Möglichkeit, ihr kritisch und widerständig zu begegnen. Die Ausstellung ist ein farbenprächtiger, humorvoller und zugleich politischer Kosmos, der seine Besucherinnen und Besucher nicht mit fertigen Botschaften entlässt, sondern mit der Aufforderung, den Status quo immer wieder neu zu hinterfragen.
18. September 2026 bis 10. Jänner 2027
www.lentos.at

Katrin Plavčak, Parallelwelt, 2022, Bildrecht, Wien 2026, Foto: Markus Gradwohl

