Sie entdeckten die Moderne, als sie noch provozierte, förderten Künstlerinnen und Künstler und machten ihre Begeisterung für neue Kunst öffentlich. Dann wurden ihre Sammlungen zerstört, geraubt und über die Welt verstreut. Die Ausstellung „Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammlerinnen und Kunstsammler in Deutschland“ erzählt die Geschichte von fünfzehn jüdischen Sammlungen – und gibt ihren einstigen Besitzerinnen und Besitzern Namen, Gesichter und Geschichte zurück.

Rund 100 Gemälde, Grafiken und Skulpturen von Claude Monet, Paul Cézanne, Pablo Picasso, Vincent van Gogh, Paula Modersohn-Becker, Ernst Ludwig Kirchner, Franz Marc, Edvard Munch und vielen anderen treffen auf Fotografien, Briefe und historische Dokumente. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht allein die berühmten Werke, sondern die Menschen, die sie sammelten.
Fünfzehn Familien, Paare und Einzelpersonen stehen exemplarisch für eine Sammlergeneration, die sich mit bemerkenswerter Offenheit der modernen Kunst zuwandte. Sie kauften Kunst, unterstützten Künstlerinnen und Künstler, engagierten sich in Museen und Kunstvereinen und trugen wesentlich dazu bei, neue Kunstformen gesellschaftlich zu etablieren. Menschen wie Rosa Schapire, Margarete Mauthner, Max Meirowsky oder die Familie Hirschland prägten damit die deutsche Moderne entscheidend mit.

Sammlung Margarete Oppenheim (Berlin: Vincent van Gogh, Mädchen mit zerzaustem Haar, 1888, Sammlung des Musée des beaux-arts de La Chaux-de-Fonds

Sammlung Margarete Oppenheim (Berlin: Vincent van Gogh, Mädchen mit zerzaustem Haar, 1888, Sammlung des Musée des beaux-arts de La Chaux-de-Fonds

Umso schärfer tritt der Bruch nach 1933 hervor. Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme begann eine systematische Ausgrenzung und Entrechtung. Vermögenssperren, Zwangssteuern, Ausreiseverbote und Devisenauflagen zwangen viele jüdische Sammlerinnen und Sammler dazu, ihre Kunstwerke unter massivem Druck zu verkaufen oder zurückzulassen. Andere wurden beraubt, ins Exil getrieben oder ermordet. Nach 1945 gelangten die Werke in private und institutionelle Sammlungen auf der ganzen Welt; ihre Herkunft geriet vielfach in Vergessenheit oder wurde verschleiert.
Jeder der fünfzehn Sammlungen ist ein eigener Raum gewidmet. So verbindet die Ausstellung Kunstgeschichte mit persönlichen Lebenswegen und macht sichtbar, was hinter den Bildern steht: Leidenschaft, kulturelles Engagement, Verfolgung und Verlust.
„Von Monet bis Picasso“ ist damit auch eine Korrektur des kunsthistorischen Gedächtnisses. Viele der einst bedeutenden Sammlerinnen und Sammler sind heute kaum noch bekannt, während ihre Werke weiterhin in Museen und Privatsammlungen zu finden sind. Die Ausstellung holt diese Menschen zurück ins Bewusstsein – und zeigt, dass hinter jedem Bild nicht nur ein Künstlername, sondern auch eine Geschichte von Mut, Begeisterung und Erinnerung steht.
11. September 2026 bis 29. März 2027
buceriuskunstforum.de