Mit der Präsentation von STRIP TOWER (962) realisiert die Luma Stiftung ein außergewöhnliches Projekt im öffentlichen Raum: eine monumentale Freiluftskulptur von Gerhard Richter, installiert am Silvaplanersee in Sils Maria. Für zunächst drei Jahre wird das Werk in einer der kulturell wie ökologisch markantesten alpinen Landschaften der Schweiz zugänglich sein – und erweitert im Rahmen von Elevation 1049 den geografischen wie konzeptuellen Radius dieses langfristig angelegten Kunstprojekts.
STRIP TOWER (962) überträgt Richters mehr als sechs Jahrzehnte währende Auseinandersetzung mit Malerei, Fotografie, Abstraktion und digitalen Bildprozessen in den dreidimensionalen Raum. Ausgangspunkt ist die Serie der Strip Paintings (ab 2010), die ihrerseits auf das rakelgezogene Abstrakte Bild (724-4) von 1990 zurückgeht. In der Skulptur werden die digital bearbeiteten horizontalen Farbstreifen in acht senkrecht stehende Paneele transformiert, die mit glasierten, farbigen Keramikfliesen verkleidet sind.
Über fünf Meter hoch, schneiden sich die Paneele zu einem kreuzförmigen Innenraum, den Besucherinnen und Besucher betreten können. Farbe, Licht und Spiegelung verdichten sich hier zu einer immersiven Erfahrung. Sehen wird zu einer räumlichen Praxis: Bewegung, Perspektivwechsel und zeitliche Veränderung bestimmen die Wahrnehmung. Anstatt sich der Landschaft aufzudrängen, wirkt der STRIP TOWER wie ein Instrument der Aufmerksamkeit – er rahmt Licht, intensiviert Farbe und schärft den Blick für das Zusammenspiel von Werk und Umgebung.
Gerade im Engadin entfaltet die Skulptur ihre besondere Resonanz. Das wechselnde alpine Licht, das Klima und der Maßstab der Landschaft werden Teil des Werks, ohne es zu dominieren. Wie Maja Hoffmann, Gründerin und Präsidentin der Luma Stiftung, betont, vereint STRIP TOWER „konzeptuelle Strenge, formale Klarheit und materielle Präzision“ und bekräftigt die Alpen als Ort ernsthafter kultureller Produktion. Die Installation stehe exemplarisch für ein Verständnis von Kunst, das öffentliche Teilhabe, nachhaltige Reflexion und Verantwortung gegenüber dem Ort miteinander verbindet.
Auch für Gerhard Richter selbst ist Sils Maria ein vertrauter Ort. Seit seinem ersten Besuch 1989 kehrt er regelmäßig ins Engadin zurück. Das kristallklare Licht, die markante Topografie und die kontemplative Atmosphäre stehen in enger Beziehung zu seinem lebenslangen Interesse an Wiederholung, Zufall, Spiegelung und der Instabilität visueller Gewissheit. In STRIP TOWER (962) artikulieren sich diese Fragen in einer Form, die zugleich monumental und still ist – präsent, ohne laut zu sein.
Die Skulptur versteht Kunst als öffentliche Erfahrung, die sich über Zeit entfaltet. In einem Ort, der traditionell mit Rückzug und Kontemplation verbunden ist, lädt Richters Arbeit zu langsamer, wiederholter Betrachtung ein. Ihre Präsenz verweist darauf, wie Kunst Wahrnehmung vertiefen und ein Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge schärfen kann – nicht durch Illustration, sondern durch Erfahrung.
Mit Elevation 1049 hat die Luma Stiftung die Schweizer Alpen seit 2014 als aktives intellektuelles und ökologisches Feld für zeitgenössische Kunst etabliert. Ortsbezogene Werke – temporär, dauerhaft oder episodisch – setzen sich hier mit Geografie, Klima, Geschichte und globalen Fragestellungen auseinander und fördern zugleich den Austausch zwischen Regionen, Sprachen und Perspektiven. Dass zeitgenössische Kunst auch jenseits institutioneller Räume gedeihen kann, wird im alpinen Kontext besonders eindrücklich erfahrbar.
Getreu seinem zweijährigen Rhythmus kehrt Elevation 1049 Anfang 2027 nach Gstaad und ins Saanenland zurück. Mit der Berufung von Mohamed Almusibli, Direktor der Kunsthalle Basel, als Kurator der kommenden Ausgabe unterstreicht das Projekt sein kontinuierliches Engagement für ortsspezifische, transformative Arbeiten im alpinen Raum.
Gerhard Richter
STRIP TOWER (962), 2023
Sils Maria, Silvaplanersee
27. Januar 2026 bis Frühjahr 2029
www.elevation1049.org



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