Zwischen Märchenoper und politischer Parabel: Mit „Die Vögel“ schuf Walter Braunfels eines der bedeutendsten deutschen Opernwerke des frühen 20. Jahrhunderts. Die fantasievolle Geschichte einer Vogelgesellschaft, die von Macht und Verführung träumt, entfaltet sich als klangprächtiges Musiktheater mit überraschend aktueller Aussage.
Walter Braunfels’ Oper „Die Vögel“, lange Zeit sein größter Bühnenerfolg, basiert auf einer Komödie des antiken Dichters Aristophanes. In der Geschichte lassen sich die Vögel von zwei Menschen, Ratefreund und Hoffegut, dazu überreden, eine eigene Stadt zwischen Himmel und Erde zu errichten – das sagenhafte Wolkenkuckucksheim. Dort wollen sie eine neue Ordnung schaffen und sogar die Macht der Götter herausfordern.
Anders als die Vorlage aus der Antike entschied sich Braunfels jedoch für ein tragisches Ende. Unter dem Eindruck der politischen Unruhen der Münchner Räterepublik von 1919 lässt er die Vision der Vögel scheitern: Zeus zerstört die Stadt durch ein gewaltiges Unwetter, und die alte Ordnung setzt sich schließlich wieder durch. Die beiden menschlichen Verführer verschwinden danach einfach wieder in ihre Welt – zurück bleibt eine zerstörte Utopie.
Musikalisch verbindet Braunfels spätromantische Klangpracht mit märchenhafter Atmosphäre und schuf damit ein Werk in der Tradition von Richard Wagner und Richard Strauss. Besonders die farbenreichen Vogel-Arien verleihen der Oper ihre poetische und klanglich faszinierende Wirkung.
In der Inszenierung von Ersan Mondtag wird die Geschichte als zeitgenössische Parabel gelesen. Der Regisseur verlegt das Geschehen auf einen Flughafen und verbindet die märchenhafte Handlung mit Anspielungen auf aktuelle politische Entwicklungen. So wird die Oper zu einer eindringlichen Reflexion über populistische Verführer, politische Manipulation und die Folgen blinder Begeisterung.
Premiere 21. März
weitere Aufführungen: 27. und 29. März, 11. und 16. April, 7. und 26. Juni 2026







