Es gibt Orte, die nicht nur sammeln, sondern sprechen – leise, eindringlich, zwischen den Zeilen der Geschichte. Das Jüdische Museum München gehört dazu. Wer hier eintritt, betritt kein stilles Archiv, sondern einen Raum des Zuhörens und des Nachdenkens. Zwischen historischen Objekten und Fotografien schwingt die Vergangenheit nach, nicht als bloßes Faktum, sondern als lebendige Erinnerung, die sich auf Gegenwart und Zukunft auswirkt.
Das Museum versteht sich als Resonanzraum: ein Ort, an dem Geschichte nicht abgeschlossen, sondern verhandelbar bleibt; an dem die Fragen nach Identität, Zugehörigkeit und Verantwortung ernst genommen werden. Zwischen Ernst und Ironie, zwischen Schmerz und Erkenntnis werden Widersprüche sichtbar und verhandelbar. So wird der Besucher selbst Teil eines Dialogs – über das, was war, und das, was wir daraus machen.

Ausstellungsansicht „Die Dritte Generation”, Rafael Goldchain © Eva Jünger / Jüdisches Museum München
Die Dritte Generation. Der Holocaust im familiären Gedächtnis
80 Jahre nach dem Holocaust lädt die Ausstellung „Die Dritte Generation. Der Holocaust im familiären Gedächtnis“ dazu ein, das transgenerationale Erbe einer Katastrophe zu erkunden, die immer noch nachwirkt. Entstanden in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Wien, zeigt die Schau, wie Kinder und Enkel der Überlebenden mit den Traumata ihrer Familien umgehen und wie Erinnerung, Schweigen, Mythen und Lücken das eigene Leben prägen.
Während die Zweite Generation mit den physischen und psychischen Narben ihrer Eltern aufwuchs, blickt die Dritte Generation aus zeitlicher Distanz auf eine Geschichte, die sowohl von Schrecken als auch von unausgesprochenen Geheimnissen durchzogen ist. Künstlerische Arbeiten machen sichtbar, wie Bewältigungsstrategien, Aneignung oder bewusstes Vergessen als Mittel der Auseinandersetzung dienen.
Die Münchner Station der Ausstellung erweitert die Wiener Schau um lokale Perspektiven. Werke von Münchner Künstlerinnen und Künstlern verdeutlichen, wie der Holocaust bis heute das persönliche und gesellschaftliche Leben prägt. Gleichzeitig thematisieren sie Provenienz, Restitution und die Frage, wie mit lückenhaften Biografien von Objekten und dem emotionalen Erbe der Opfer umgegangen wird.
Die Ausstellung zeigt eindrücklich: Erinnern ist nie neutral. Es ist ein Prozess, der Verantwortung, Sensibilität und kritische Reflexion verlangt – und der auch über Generationen hinweg Fragen aufwirft, die wir nicht ignorieren können. Bis 1. März 2026 öffnet die Schau ihre Türen für alle, die sich auf diese Auseinandersetzung einlassen wollen.
9. April 2025 bis 1. März 2026
www.juedisches-museum-muenchen.de

Ausstellungsansicht „Die Dritte Generation”, Fabian Erik Patzak © Eva Jünger / Jüdisches Museum München






